Begriffssystem zur Fachdidaktik Chemie
A - D
| GW |
Begriff |
Definition |
|
|
Abstraktion |
lat.
abstrahere = abziehen, wegnehmen.
Bezeichnung für einen Denkvorgang zum Zweck der Bildung von Begriffen,
Theorien, Modellen und Gesetzen. Ausgehend von der konkreten Wirklichkeit
werden Verschiedenheiten zunächst vernachlässigt, um das Gemeinsame
herauszufinden. Ziel ist die vereinfachte Bewertung, Kategorisierung und
Klassifizierung zum Zweck der Anwendung in Problemlösestrategien und der
Übertragung auf ähnlich gelagerte Fälle. [nach
26] |
| + |
affektiv
(Lehrziel) |
Eine der drei psychischen Dimensionen von
Lehrzielen: die gefühlsbetonten Lehrziele, die emotionale Kräfte
ansprechen. Bsp.:
- Freude an den Farben von Indikatorlösungen,
- Freude am angenehmen Geruch von Aromastoffen,
- Werten des Geschmacks verschiedener Zucker oder Genusssäuren,
- Bewundern der geometrischen Regelmäßigkeit von
Kristallen,
- persönliche Einstellung zur Müllverbrennung...
Syn.:
didaktischer Schwerpunkt Werten.
GB: affective |
| |
Aktionsform |
Ein Aspekt der Unterrichtsform.
Siehe Syn.:
Arbeitsform. |
| |
Alltagsvorstellung |
Vorstellung über Phänomene (nur) aufgrund subjektiver Erfahrungen der
einzelnen Person.
Zu unterscheiden von Vorstellungen, die aufgrund
wissenschaftlicher Erklärungen und Modelle entwickelt wurden. [nach
37]
Syn.: Präkonzept.
Negativ: Fehlvorstellungen. GB:
every day concept
bzw. misconception |
| |
Analyse |
a. Vierte von 6 kognitiven
Denkstufen nach der
Bloomschen Taxonomie. Beschreibung siehe dort im Zusammenhang. b. siehe
auch:
Didaktische Analyse.
c. auch ein fachchemischer Begriff: sowohl die
Identifizierung von Stoffen als auch ihre Zerlegung in einfachere
Verbindungen oder die Elemente. |
|
+ |
Anforderungsbereich |
In der
"Einheitlichen Prüfungsanforderung in der Abiturprüfung (EPA)"
werden 3 Anforderungsbereiche unterschieden: [42]
- Anforderungsbereich I (z.B. Kennen und
Wiedergeben von Basiskonzepten, Erstellen von Reaktionsgleichungen...);
früher: Schwierigkeitsgrad Reproduktion.
- Anforderungsbereich II (z.B. Planen und
Auswerten einfacher Versuche, Anwenden von Modellvorstellungen und
Gesetzen...); früher: Schwierigkeitsgrad Reorganisation.
- Anforderungsbereich III (z.B.
selbständiges Erschließen von Sachverhalten in einem unbekannten
Zusammenhang, Planen und Durchführen von Experimenten zu vorgegebenen
oder selbst gefundenen Fragestellungen...); früher: Schwierigkeitsgrade
Transfer und Problemlösendes Denken.
GB: - |
| |
Anforderungsstufen |
Früher: Verfeinerung der psychischen Dimensionen
nach
- Einblick, Überblick, Kenntnis,
Vertrautheit (kognitiv).
- Fähigkeit, Fertigkeit, Beherrschung
(psychomotorisch).
- Offenheit,
Interesse, Achtung, Freude... (affektiv). [1] S. 515
GB: - |
| |
Angemessenheit |
i.w.S.: Grundlegendes
Prinzip, das Schülergemäßheit in jedem didaktischen Handeln und Denken
ausmacht.
i.e.S.: Eines der Prinzipien zur didaktischen
Reduktion: Alter und Vorerfahrungen von Schülern
bestimmen den maximalen Komplexitätsgrad von Inhalten. [6]
|
| |
Anwendung |
Dritte von 6 kognitiven
Denkstufen nach der
Bloomschen Taxonomie. |
| |
anthropomorph |
Menschliche Eigenschaften werden Dingen (oder Tieren) zugeschrieben.
Beispiele:
- Chlor möchte mit Natrium reagieren.
- Fett und Wasser vertragen sich nicht.
- Das Brom-Molekül greift die Doppelbindung
an...
Anthropomorphisierung ist zu behandeln wie ein Modell mit (zutreffender)
Kernaussage und Grenzen der Gültigkeit. |
| |
Arbeit |
allg.: Eine auf ein Ziel
ausgerichtete, planmäßige Tätigkeit. [7] Das Individuum erwirbt durch Arbeit
lebensnotwendige Güter bzw. leistet etwas für andere aus
gesellschaftlicher Sicht. Im Zusammenhang mit
Lernen: auch Lernen ist Arbeit, nämlich eine selbständige geistige
Auseinandersetzung mit Inhalten, eine Form des ganzheitlichen Lernens. [nach
24]
Siehe auch Bedeutungszusammenhang
Sozialformen.
|
| + |
Arbeitsform |
Jener Aspekt der Unterrichtsform,
der speziell die
Rollenverteilung zwischen Lehrendem und Lernenden in der Auseinandersetzung mit
dem Inhalt im didaktischen Dreieck beschreibt.
Man unterscheidet [4]:
|
aus Lehrersicht |
aus Schülersicht |
| darbietend
|
aufnehmend |
|
zusammenwirkend |
| aufgebend
|
ausführend |
Syn.: Aktionsform.
Siehe auch: Sozialform. |
| + |
Arbeitsmittel |
Durch den selbständigen
Umgang der Schüler mit Unterrichtsmitteln
werden diese zu
"Arbeitsmitteln". Sie enthalten:
- Informationen (Inhalte)
- Arbeitsanweisungen und
- Möglichkeiten zur Selbstkontrolle.
Man unterscheidet:
GB: - |
| + |
Arrangement |
Umfasst nach
Peterßen [29]
die gesamte Verlaufsgestaltung des Unterrichts: Entscheidung über Methode,
Medien und Sozialformen. Der Begriff sollte nur
dort Anwendung finden, wo die gestufte Beschreibung des
Unterrichtsverfahrens (z.B. über Artikulationsstufen) nicht möglich ist.
Bsp.:
- Freiarbeit,
- Wochenplanarbeit,
- offener Unterricht.
Syn.: Lernarrangement. |
| + |
Artikulation
(-smodell) |
Gliederung einer Unterrichtseinheit in eine sinnvolle Folge von Schritten,
(manchmal synonym: Stufen, Phasen), die zusammen ein Sinnganzes bilden. [Nach Herbart in
4] S. 98.
Allgemein kann man angeben:
|
nach Rein [24] |
nach Roth [26] |
| Vorbereitung |
Motivation |
| Darbietung |
Schwierigkeiten |
| Verknüpfung |
Lösung |
| |
Ausführen |
| Zusammenführung |
Behalten und Einüben |
| Anwendung |
Übertragen |
Je nach Unterrichtsverfahren und
didaktischer Absicht werden die
Stufen unterschiedlich stark ausgeprägt, ggf. untergliedert und ausgeformt
sein; u.U. können einzelne fehlen, dann erhalten sie angepasste Namen.
Bsp. zum problemorientierten Verfahren:
[6n]
| 1. Hinführung |
starter |
| 2. Problemstellung |
learning
activity |
| 3. Problembearbeitung |
| 4. Problemlösung |
| 5. Festigung. |
plenary |
GB:
(teaching) steps
Siehe
auch: Unterrichtsverfahren. |
| |
Ausbildungsphase |
siehe
Phase.
GB: - |
| + |
Basiskonzept |
Vertikale Vernetzung von
grundlegenden Begriffen, Theorien und erklärenden Modellvorstellungen,
z.B. bezogen auf die Inhalte der Fachwissenschaft Chemie.
Sie dienen einem systematischen Wissensaufbau unabhängig von rein
fachwissenschaftlichen oder historischen Strukturen.
Man unterscheidet die Basiskonzepte:
a. für den mittleren
Schulabschluß:
-
Stoff-Teilchen-Beziehung,
-
Struktur-Eigenschafts-Beziehung,
- chemische
Reaktion
- energetische
Betrachtungen bei Stoffartumwandlung (genauere Formulierung siehe [39]
Kap. 3.1).
b. für den höheren
Schulabschluß:
-
Stoff-Teilchen-Beziehung,
-
Struktur-Eigenschafts-Beziehung,
-
Donator-Akzeptor-Konzept (mit Protonenaustausch, Elektronenaustausch,
Atomgruppenaustausch...)
-
Energie-Konzept,
-
Gleichgewichts-Konzept,
sowie erweitert
- Größen-Konzept
und
- Technik-Konzept.
[5]
Je nach Autor findet man zum Teil unterschiedliche Bezeichnungen,
Untergliederungen sowie weitere "Basiskonzepte".
Basiskonzepte sind die Grundlage des Kompetenzbereiches Fachwissen in den
Bildungsstandards.
GB: key concept |
| |
Begriffsnetz |
Begriffe
werden in einer grafischen Darstellung mit Relationen (z.B. Verben)
verbunden. Beispiel für den Beginn eines Netzes: Ethen und Wasser
reagieren zu 1,2-Ethandiol, eliminiert dann Wasser und wird zu Epoxid...
GB: concept map |
| + |
Beobachtung |
Aktive, theoriegeleitete
Auseinandersetzung mit Inhalten.
- Direkt:
Wahrnehmung mit den Sinnesorganen, z.B. Geruch, Licht, Druck, Geschmack...
- Indirekt:
Wir schließen beispielsweise aus einer Temperaturänderung in einem
Reaktionsgefäß auf das Stattfinden einer chemischen Reaktion.
- Vermittelt:
Mit Hilfsmitteln erfahrbar gemachte Beobachtung, besonders bei Qualitäten,
für die wir keine Sinnesorgane besitzen, etwa Energiedosis bei
radioaktiver Strahlung, pH, UV...
- Quantitativ:
Genaue Angabe der Größe, z.B. 30,0 °C.
Beobachtung sollte von der allein Kenntnis nehmenden
Wahrnehmung unterschieden werden. GB:
observation |
| |
Betriebserkundung |
Eine spezielle Form der Lehrwanderung zu einem Betrieb, die dem
Fachunterricht dient und ausgewiesene Lehrziele bearbeitet.
Zu unterscheiden von der wenig unterrichtsrelevanten Form
der Betriebsbesichtigung.
GB: field trip |
| |
Beurteilung |
a.
Beschreibung der (subjektiven) Wahrnehmung, Meinung eines Sachverhaltes oder
einer Person. Ergebnis ist ein begründetes Wortgutachten.
b. Höchste Denkstufe (VI von 6) des kognitiven Bereichs
im System der Bloomschen Taxonomie.
Verwandt ist der Begriff
Bewertung. GB: formative assessment |
| |
Bewertung |
a.
Allgemein versteht man im Zusammenhang mit Schule unter Bewertung die
Einschätzung des Wertes oder der Bedeutung eines Sachverhaltes oder
Inhaltes. Ein verwandter Begriff ist Evaluation:
i.w.S. synonym verwendbar, i.e.S. in der Schule wird differenziert.
b. Im speziellen Fall von Prüfungen bedeutet es, einer
gemessenen Leistung (Leistungsmessung) eine Note nach vorgeschriebenem oder
vereinbartem System zuzuordnen.
Ergebnis ist stets ein Zahlenwert. Sonst spricht man
eher von Beurteilung.
siehe auch
Leistungsmessung.
GB: final assessment |
| |
Bezugswissenschaft |
Die
Fachdidaktik der Chemie setzt sich hauptsächlich mit Inhalten der
Wissenschaft Chemie auseinander. Deshalb ist die Chemie die Bezugswissenschaft für die
Fachdidaktik der Chemie. Als weitere Bezugswissenschaft gilt für uns die
Schulpädagogik. [nach 37] |
| + |
Bildung |
a. In unserem
Kulturkreis übliche Umschreibung für die Gesamtverfassung der Person in
geistiger und charakterlicher Hinsicht als Ergebnis des eigenen Er- und
Verarbeitens aus dem Angebot der Umwelt und der Auseinandersetzung mit ihr
in persönlicher, lebenslanger Beschäftigung. [4] b.
Gesamtheit von Persönlichkeitsmerkmalen, die auf einer aktiven
Auseinandersetzung von Erziehungsleistungen beruhen.
c. "Bildung ist die Fähigkeit, Wesentliches von
Unwesentlichem zu unterscheiden". [Beauregard?] Hinweise:
Man
kann Menschen nicht bilden, nur erziehen. Jeder Mensch bildet sich selber.
Bildung ist gelebte Moral. [5] GB:
education (siehe dazu Bemerkungen unter Didaktik) |
| |
Bildungsstandard |
Man
unterscheidet:
- inhaltliche und handlungsorientierte Standards; sie
beschreiben, was Lehrer unterrichten und Schüler können müssen sowie
klar und eindeutig die aufzubauenden Kompetenzen (Fachwissen mit Hilfe
von
Basiskonzepten) und das zu erreichende
Wissen.
- Standards für Lehr- und Lernbedingungen
beschreiben die Methoden und Prinzipien guten Lehrens und Lernens, die
von Vertretern der Fachdisziplin und Didaktik allgemein anerkannt
werden.
- Leistungs- oder Ergebnisstandards
beschreiben, über welche Kompetenzen Schüler zu bestimmten Zeitpunkten
ihrer schulischen Entwicklung (meist am Ende der regulären Schullaufbahn
oder beim Übergang in eine weiterführende Schule) verfügen müssen. Durch
national einheitlich gestaltete Tests wird dann die Einhaltung dieser
Standards überprüft.
Es werden
unterschieden:
- Mindeststandards (Minimum an Kompetenzen, das
alle Schülerinnen und Schüler zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt
in ihrer Schullaufbahn erreicht haben müssen; ein Unterschreiten
würde mit erheblichen Schwierigkeiten dieser Schüler beim Übergang
ins Berufsleben einhergehen).
- Regelstandards (beschreiben Kompetenzen, die
im Durchschnitt von den Schülern einer Jahrgangsstufe erreicht
werden sollen) und
- Maximalstandards (Kompetenzen beziehen sich
darauf, was die besten Schüler der jeweiligen Jahrgangsstufen können
sollten).
Die Kultusministerkonferenz hat Regelstandards für das
Ende der Grundschulzeit (Jgst. 4 oder 6), das Ende der Schulpflicht (Jgst.
9), den mittleren Schulabschluß (Jgst. 10,
Chemie) und Einheitliche
Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung (EPA) für
alle Fächer (Chemie)
entwickelt [40].
GB: (national) standards of education |
| + |
Bildungsziele |
Normative Beschreibung einer anzustrebenden
Idealvorstellung oder eines Leitbildes. [26] Man unterscheidet:
- Oberste Bildungsziele (syn.
allgemeinste Bildungsziele)
| Bsp.
Bayern |
Bsp.
Sachsen |
|
Verfassung Art.131 (2) Stand 20.2.1998 |
Verfassung
Art. 101 (1) vom 26.5.1992 |
|
Ehrfurcht vor Gott
Achtung vor religiöser Überzeugung
Achtung vor der Würde des Menschen
Selbstbeherrschung
Verantwortungsgefühl und
Verantwortungsfreudigkeit
Hilfsbereitschaft
Aufgeschlossenheit für alles Wahre,
Gute und Schöne
Verantwortungsbewußtsein
für Natur und Umwelt. |
Ehrfurcht vor allem Lebendigen
Achtung vor der Überzeugung des
anderen
Nächstenliebe
Gerechtigkeit
sittliches und
politisches Verantwortungsbewußtsein
Frieden
berufliches Können, soziales Handeln,
freiheitlich demokratische Haltung
Erhaltung der Umwelt. |
und
- Allgemeine Bildungsziele.
Beide sind nicht von einem Fach abhängig.
Bsp.:
Bewußtsein der zentralen Schlüsselprobleme
der Menschheit,
Solidarfähigkeit,
Selbstbestimmung,
Fähigkeit zu urteilen,
Fähigkeit zum eigenen Standpunkt,
Kritikfähigkeit u.ä.... [6]
GB: education ideals
Oder:
- fachspezifische
Bildungsziele;
Bsp.: Vorstellung von der Leistungsfähigkeit von
Trennverfahren (etwa für Stoffmischungen; unterschiedliche Niveaus für
z.B. Unter- oder Oberstufe), Vorstellung von der Spezifität von
Nachweisverfahren.
GB: education aims
- fächerübergreifende
Bildungsziele; Bsp.: Teamfähigkeit, Grenzen der Objektivierbarkeit.
|
| |
Bloomsche Taxonomie |
Ordnungsprinzip für die Stufen des Denkens nach Benjamin Bloom (1956), auch
Operatoren genannt.
Kognitiver Bereich:
- Wissen (Wiedergabe von Fakten, Daten, Regeln,
Gesetzmäßigkeiten, Merkmalen, Kenntnissen...)
Fragen: wer, was, wie, warum
Aufgaben: finde, zeige, nenne, beschrifte, markiere...
GB: knowledge
- Verständnis (Erläuterungen zu den Informationen
verstehen, mit eigenen Worten wiedergeben, Zusammenhänge erkennen)
Aufgaben: vergleiche, erkläre, stelle gegenüber...
GB: comprehension
- Anwendung (Lösen von Problemen in neuem
Zusammenhang unter Anwendung des neu erworbenen Wissens und
Verständnisses)
Aufgaben: konstruiere, entwickle, plane, löse (durch experimentieren)...
GB: application
- Analyse (Umgang mit Informationen: prüfen,
gliedern, Schlußfolgerungen ziehen, Beweise finden, Widersprüche
aufdecken, Verallgemeinerungen treffen...)
Aufgaben: klassifiziere, kategorisiere, vereinfache, formuliere
Vermutungen, ziehe Schlüsse...
GB: analysis
- Synthese (Umgang mit Informationen: verbinden von
Fakten zu neuen Zusammenhängen, Formulierung von Lösungswegen,
Aufstellen begründeter Hypothesen, Erkennen von Grenzen...)
Aufgaben: formuliere eine Theorie..., teste, schlage einen Lösungsweg
vor..., ändere so ab, dass...
GB: synthesis
- Beurteilung (Alternativen abwägen, Entschlüsse
fassen, diese darstellen und verteidigen auf der Grundlage eines
Kriterienkataloges).
Aufgaben: wähle aus, interpretiere, widerlege, beweise,
formuliere Empfehlungen...
GB: evaluation
Gelegentlich wird eine Stufe 0 "Glauben" formuliert:
un- oder wenig begründete Annahmen wiedergeben.
Dem kognitiven Bereich kommt besondere Bedeutung bei
der Formulierung von (Prüfungs)Aufgaben zu.
Affektiver Bereich (affective):
- Werte beachten (sensibel werden für ein Thema);
receiving
- Werte beantworten (emotionale Reaktion, spontane
Verarbeitung); responding
- Wertung vornehmen (selbst etwas für wertvoll
halten, ihm einen Wert für sich selbst beimessen); valuing
- Wertordnung (Integration von Haltungen in eine
Hierarchie von Überzeugungen); organization
- Werte verinnerlichen (leben nach einer
Wertordnung; empfinden der eigenen Identität über Werte); internalizing.
Psychomotorischer Bereich (psychomotor):
- (set, readiness to act)
- Imitation (Nachahmung von Handlungsabläufen);
guided response, imitation
- Manipulation (Ausführen von Instruktionen,
Einüben von Techniken); mechanism, manipulation
- Präzisierung (Erhöhung der Genauigkeit bei
Techniken); complex overt response, precision
- Handlungsgliederung (Koordination verschiedener
Elemente zu komplexeren Techniken); adaptation, articulation
- Naturalisierung (Verinnerlichung von Abläufen);
origination, naturalization.
[nach 35,
49] |
| |
chemisches
Dreieck
chemisches Tetraeder |
Ursprünglich als Dreieck illustriertes Zusammenspiel von submikroskopischer,
makroskopischer und Repräsentations-Ebene [44].
Später wurde eine weitere Dimension "Human Element" = lebensweltliche
Komponente bzw. Alltagserfahrung eingeführt [45],
so dass man eher von einem Tetraeder oder Viereck sprechen sollte. Über
diese lebensweltliche Komponente soll eine stärkere Orientierung und
Anbindung fachlicher Inhalte an den Alltag von Lernenden gewährleistet
werden. Visualisierung
GB: ? |
| |
Curriculum |
siehe
Lehrplan.
Gelegentlich wird als geschlossenes Curriculum ein Lehrplan
bezeichnet, der alle Lehrziele, Inhalte, Unterrichtsmethoden und
Unterrichtsmittel festlegt. [30] |
| + |
Deduktion |
Von der bekannten
Regelhaftigkeit wird ein Einzelfall gedanklich abgeleitet. Eine Regel wird
überprüft. Gegenteil:
Induktion.
GB: deductive design |
| |
Didaktik |
gr.
didaskein = lehren (um der Bildung willen); Comenius: lat. ars docendi =
Kunst des Lehrens. i.w.S.
= Wissenschaften vom durch Lehre geleiteten Lernen [4]. Unter der Vorgabe von
Unterrichtszielen ist sie an der Auswahl der Fachinhalte beteiligt. Mittlerweile wird
unterschieden:
- Didaktik i.e.S. = Wissenschaft vom Lehren, und
- Mathetik = Wissenschaft vom Lernen.
Beide sind aber untrennbar miteinander
verbunden, weil man nach heutigem Verständnis nichts erfolgreich lehren
kann, ohne sich gleichzeitig zu fragen: Wie lernen Schüler? [15]
Didaktik und Mathetik bilden den
institutionellen Ort, an dem moderne Gesellschaften die Natur
fachunterrichtlicher Prozesse kritisch betrachten. Sie berücksichtigen
und nutzen aktuelle Erkenntnisse aus der Pädagogischen Psychologie, der
Neurophysiologie und der Informationstechnologie.
GB: (chemistry) education (Vorsicht:
didactics bedeutet eher "belehren" in frontaler Situation; historisch
bedingt beinhaltet im englischsprachigen Raum science education auch
chemistry education; oft wird aber gar nicht differenziert). |
| |
Didaktische
Analyse |
a. Nach Klafki: Erschließung des
Bildungsgehaltes von Inhalten mit Blick auf den Lernenden, z.B. Bemühung
um das Herausarbeiten des Allgemeinen aus dem Besonderen. Das Ergebnis ist
Grundlage für die (methodische) Unterrichtsplanung
und -vorbereitung. [nach 14]
b. Erweitert für die Erfordernisse der
Fachdidaktik: Reflexion aller den Unterricht beeinflussender Faktoren,
z.B. anthropogene und soziokulturelle Voraussetzungen, Inhalte, Lernziele,
Unterrichtsverfahren, Unterrichtsmittel, fachgemäße Arbeitsweisen,
Artikulation usw.
Anmerkung: Für Prüfungen wird der Begriff
als zu weit gefasst angesehen. Didaktische Analysen sollten daher entweder nicht gefordert, oder bei Verwendung genau präzisiert und stark
eingegrenzt werden. [3] GB: ~ lesson
observation |
| + |
Didaktisches
Dreieck |
Ein Bild für die Beziehung zwischen Lehrer,
Schüler und Inhalt. [4]
GB: ~ learning relationship |
| + |
Didaktischer Ort |
Position einer methodischen Maßnahme (oder eines Experimentes) im zeitlichen
Verlauf einer Unterrichtsstunde und
im methodischen Verlauf einer
Unterrichtseinheit, der eine klare Rolle im Unterrichtsgeschehen
zukommt. Man unterscheidet z.B. [nach 6n]:
- den Einstieg (Problemexperiment)
- Problemlösung (Lösungsexperiment - induktiv,
Bestätigungsexperiment - deduktiv)
- Erarbeitung (Erarbeitungs-, Untersuchungsexperiment)
- Festigung (Übungs-, Wiederholungsexperiment)
- Leistungsmessung (Prüfungs-, Beurteilungsexperiment)
- ...
Von den Artikulationsstufen
(Artikulationsmodell) nicht klar abzugrenzen, da "didaktischer Ort" einem
anderen Beschreibungsmodell für Unterricht angehört. |
| + |
Didaktische
Reduktion |
a. Tätigkeit eines
Lehrenden mit dem Ziel der unterrichtsrelevanten Aufbereitung von
Fachinhalten zur Optimierung ihrer Verständlichkeit. Sie verläuft über
mehrere sich gegenseitig beeinflussende Stufen.
b. Ist die systematische Veränderung der
fachlichen Ansprüche durch
analytisch-logische Zergliederung komplexer Sachverhalte bis zur leicht möglichen Assoziation durch den
Lernenden auf der Basis seiner mitgebrachten Vorstellungen.
Wir
unterscheiden:
- sektorale
Reduktion (Ausschnittbildung und Einengung des Gültigkeitsumfanges von
Aussagen) und
- strukturelle Reduktion (Verringerung der Kompliziertheit, z.B. durch
Weglassen wissenschaftlicher Daten, Schematisierung, Modellbildung) [41]
Prinzipien:
- fachliche
Richtigkeit
- fachliche Ausbaufähigkeit
(es dürfen sich keine Widersprüche bei der Rückkehr zum Komplizierten
ergeben)
- Angemessenheit (bezüglich der kognitiven
Stufe des Lernenden).
Schritte:
- Selektieren (Zielfestlegung, Inhaltswahl, Ausschnittbildung,
Beispielwahl)
- Elementarisieren (Hervorhebung des Phänomens, der Beobachtung, der
funktionellen Einheit)
- Komplexieren (Generalisierung und Anwendung nach unterschiedlichen
Schwierigkeitsgraden)
Maßnahmen:
- Beschränkung auf die qualitative Ebene
- Vernachlässigung
und Vereinheitlichung
- Schematisierung und Symbolisierung
- Partikularisierung (syn.: sektorale
Reduktion); chunking
- Generalisierung
- Elementarisierung
- Rückgriff auf historische
Erkenntnisstufen
- Vernachlässigung begrifflicher
Feindifferenzierung (syn.: strukturelle Reduktion).
Syn.: Fasslichkeit, Vereinfachung, Isolierung der Schwierigkeiten.
Gegenteil:
Intuition. Siehe auch Ergänzung durch didaktische
Rekonstruktion. Visualisierung.
GB: ~ funneling |
| + |
Didaktische
Rekonstruktion |
Der Begriff geht über
die didaktische Reduktion
hinaus. Der Lehrende versucht, nicht nur die kognitive und eventuell die
psychomotorische Dimension an Lernende in geeigneter Weise weiter zu
geben, sondern bezüglich Verständnis und Sinnangebot neue oder im
Wissenschaftsbetrieb nicht beachtete individuale und soziale Relationen
(affektive Dimension) zu vermitteln; sie führt zu einem Mehrwert
didaktischer Bemühungen. Inhalte
des Schulunterrichts sind nicht vom Wissenschaftsbereich vorgegeben, sondern
müssen in pädagogischer Zielsetzung erst hergestellt werden. [19] Bsp. für
diesen "Mehrwert": etwa
- ethische Fragen zur Gewinnung und Verwendung
bestimmter Meßwerte,
- theoretische Vorannahmen,
- kontroverse Auffassungen,
- fachübergreifende Ergebnisse,
- in Beziehung setzen mit der Lebenswelt. [nach
19]
Visualisierung. |
| + |
Didaktische
Regeln |
Auf Comenius zurückgehende
Erfahrungsregeln, die das didaktische Prinzip der Faßlichkeit fördern
[nach 6] S. 190-192:
- vom
Bekannten zum Neuen
- vom räumlich, zeitlich und seelisch
Nahen zum Fernen
- vom
Einfachen zum Komplizierten
- vom
Leichten zum Schwierigen
- vom
Konkreten zum Abstrakten.
Zur sicheren Anwendbarkeit bedürfen sie
der Begründung durch lernpsychologische und neurophysiologische Befunde.
|
| |
Didaktischer
Schwerpunkt |
Syn.: psychische Dimension. |
| |
didaktische Transformation |
Typischer Aufgabenbereich der Didaktik: ein
vorgegebener Inhalt wird strukturell analysiert und unter Berücksichtigung
der kognitiven Struktur des Schülers sowie dessen Lernzielen so zu
Lehrzielen und -inhalten umkonstruiert, dass er mindestens das Elementare
enthält und zu vorausgegangenen
Lernprozessen nicht im Widerspruch steht. Sinngemäß nach [13] Der
"Überträger" (Lehrende) bleibt dabei nicht neutral, sondern bringt
umfangreiches Wissen über Inhalt, Lehrmethodik und Lernprozess ein.
Siehe: Transfer.
Visualisierung. |
| |
Differenzierung |
Anpassung
des Schwierigkeitsgrades von Inhalten oder Aufgaben an die Fähigkeiten von
einzelnen Lernenden .
Gelegentlich wird der o.a. inneren Differenzierung
die äußere gegenüber gestellt: die Lernenden einer Jgst. werden für
ein bestimmtes Fach z.B.
- in Leistungsgruppen oder
- Interessengruppen
- soziale Gruppen
- Altersgruppen... oder
- Schultypen zusammengefaßt (z.B.
in integrierten Gesamtschulen der A-Kurs auf gymnasialem Niveau).
|
Legende:
[n] Quellenangabe, wobei n = Laufende Nummer aus dem Quellenverzeichnis.
fett Hervorhebungen sowie, bei Verbreitung mehrerer Synonyme, der vom Autorenkreis bevorzugte.
E-Mail an: Walter.Wagner
ät uni-bayreuth.de
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