Stand: 03.09.09


Begriffssystem zur Fachdidaktik Chemie

A - D


GW Begriff

Definition

  Abstraktion lat. abstrahere = abziehen, wegnehmen.
Bezeichnung für einen Denkvorgang zum Zweck der Bildung von Begriffen, Theorien, Modellen und Gesetzen. Ausgehend von der konkreten Wirklichkeit werden Verschiedenheiten zunächst vernachlässigt, um das Gemeinsame herauszufinden. Ziel ist die vereinfachte Bewertung, Kategorisierung und Klassifizierung zum Zweck der Anwendung in Problemlösestrategien und der Übertragung auf ähnlich gelagerte Fälle. [nach 26]
+ affektiv (Lehrziel)

Eine der drei psychischen Dimensionen von Lehrzielen: die gefühlsbetonten Lehrziele, die emotionale Kräfte ansprechen.

Bsp.:

  • Freude an den Farben von Indikatorlösungen,
  • Freude am angenehmen Geruch von Aromastoffen,
  • Werten des Geschmacks verschiedener Zucker oder Genusssäuren,
  • Bewundern der geometrischen Regelmäßigkeit von Kristallen,
  • persönliche Einstellung zur Müllverbrennung...

Syn.: didaktischer Schwerpunkt Werten.

GB: affective

  Aktionsform

Ein Aspekt der Unterrichtsform. Siehe Syn.: Arbeitsform.

  Alltagsvorstellung Vorstellung über Phänomene (nur) aufgrund subjektiver Erfahrungen der einzelnen Person.

Zu unterscheiden von Vorstellungen, die aufgrund wissenschaftlicher Erklärungen und Modelle entwickelt wurden. [nach 37]

Syn.: Präkonzept.
Negativ: Fehlvorstellungen.

GB: every day concept bzw. misconception

  Analyse a. Vierte von 6 kognitiven Denkstufen nach der Bloomschen Taxonomie. Beschreibung siehe dort im Zusammenhang.

b. siehe auch: Didaktische Analyse.

c. auch ein fachchemischer Begriff: sowohl die Identifizierung von Stoffen als auch ihre Zerlegung in einfachere Verbindungen oder die Elemente.

+ Anforderungsbereich In der "Einheitlichen Prüfungsanforderung in der Abiturprüfung (EPA)" werden 3 Anforderungsbereiche unterschieden: [42]
  • Anforderungsbereich I (z.B. Kennen und Wiedergeben von Basiskonzepten, Erstellen von Reaktionsgleichungen...); früher: Schwierigkeitsgrad Reproduktion.
  • Anforderungsbereich II (z.B. Planen und Auswerten einfacher Versuche, Anwenden von Modellvorstellungen und Gesetzen...); früher: Schwierigkeitsgrad Reorganisation.
  • Anforderungsbereich III (z.B. selbständiges Erschließen von Sachverhalten in einem unbekannten Zusammenhang, Planen und Durchführen von Experimenten zu vorgegebenen oder selbst gefundenen Fragestellungen...); früher: Schwierigkeitsgrade Transfer und Problemlösendes Denken.

GB: -

  Anforderungsstufen

Früher: Verfeinerung der psychischen Dimensionen nach

  • Einblick, Überblick, Kenntnis, Vertrautheit (kognitiv).
  • Fähigkeit, Fertigkeit, Beherrschung (psychomotorisch).
  • Offenheit, Interesse, Achtung, Freude... (affektiv). [1] S. 515

GB: -

  Angemessenheit i.w.S.: Grundlegendes Prinzip, das Schülergemäßheit in jedem didaktischen Handeln und Denken ausmacht.

i.e.S.: Eines der Prinzipien zur didaktischen Reduktion: Alter und Vorerfahrungen von Schülern bestimmen den maximalen Komplexitätsgrad von Inhalten. [6]

  Anwendung Dritte von 6 kognitiven Denkstufen nach der Bloomschen Taxonomie.
  anthropomorph Menschliche Eigenschaften werden Dingen (oder Tieren) zugeschrieben.

Beispiele:

  • Chlor möchte mit Natrium reagieren.
  • Fett und Wasser vertragen sich nicht.
  • Das Brom-Molekül greift die Doppelbindung an...

Anthropomorphisierung ist zu behandeln wie ein Modell mit (zutreffender) Kernaussage und Grenzen der Gültigkeit.

  Arbeit allg.: Eine auf ein Ziel ausgerichtete, planmäßige Tätigkeit. [7] Das Individuum erwirbt durch Arbeit lebensnotwendige Güter bzw. leistet etwas für andere aus gesellschaftlicher Sicht.

Im Zusammenhang mit Lernen: auch Lernen ist Arbeit, nämlich eine selbständige geistige Auseinandersetzung mit Inhalten, eine Form des ganzheitlichen Lernens. [nach 24]

Siehe auch Bedeutungszusammenhang Sozialformen.

+ Arbeitsform

Jener Aspekt der Unterrichtsform, der speziell die Rollenverteilung zwischen Lehrendem und Lernenden in der Auseinandersetzung mit dem Inhalt im didaktischen Dreieck beschreibt.

Man unterscheidet [4]:

aus Lehrersicht aus Schülersicht
darbietend aufnehmend
zusammenwirkend
aufgebend ausführend

Syn.: Aktionsform. Siehe auch: Sozialform.

+ Arbeitsmittel Durch den selbständigen Umgang der Schüler mit Unterrichtsmitteln werden diese zu "Arbeitsmitteln". Sie enthalten:
  • Informationen (Inhalte)
  • Arbeitsanweisungen und
  • Möglichkeiten zur Selbstkontrolle.

Man unterscheidet:

GB: -

+ Arrangement Umfasst nach Peterßen [29] die gesamte Verlaufsgestaltung des Unterrichts: Entscheidung über Methode, Medien und Sozialformen.

Der Begriff sollte nur dort Anwendung finden, wo die gestufte Beschreibung des Unterrichtsverfahrens (z.B. über Artikulationsstufen) nicht möglich ist.

Bsp.:

  • Freiarbeit,
  • Wochenplanarbeit,
  • offener Unterricht.

Syn.: Lernarrangement.

+ Artikulation
(-smodell)

Gliederung einer Unterrichtseinheit in eine sinnvolle Folge von Schritten, (manchmal synonym: Stufen, Phasen), die zusammen ein Sinnganzes bilden. [Nach Herbart in 4] S. 98. Allgemein kann man angeben:

nach Rein [24] nach Roth [26]
Vorbereitung Motivation
Darbietung Schwierigkeiten
Verknüpfung Lösung
   Ausführen
Zusammenführung Behalten und Einüben
Anwendung Übertragen

Je nach Unterrichtsverfahren und didaktischer Absicht werden die Stufen unterschiedlich stark ausgeprägt, ggf. untergliedert und  ausgeformt sein; u.U. können einzelne fehlen, dann erhalten sie angepasste Namen.

Bsp. zum problemorientierten Verfahren: [6n]

1. Hinführung starter
2. Problemstellung learning activity
3. Problembearbeitung
4. Problemlösung
5. Festigung. plenary

GB: (teaching) steps

Siehe auch: Unterrichtsverfahren.

  Ausbildungsphase siehe Phase.

GB: -

+ Basiskonzept Vertikale Vernetzung von grundlegenden Begriffen, Theorien und erklärenden Modellvorstellungen, z.B. bezogen auf die Inhalte der Fachwissenschaft Chemie.

Sie dienen einem systematischen Wissensaufbau unabhängig von rein fachwissenschaftlichen oder historischen Strukturen.

Man unterscheidet die Basiskonzepte:

a. für den mittleren Schulabschluß:

  • Stoff-Teilchen-Beziehung,
  • Struktur-Eigenschafts-Beziehung,
  • chemische Reaktion
  • energetische Betrachtungen bei Stoffartumwandlung (genauere Formulierung siehe [39] Kap. 3.1).

b. für den höheren Schulabschluß:

  • Stoff-Teilchen-Beziehung,
  • Struktur-Eigenschafts-Beziehung,
  • Donator-Akzeptor-Konzept (mit Protonenaustausch, Elektronenaustausch, Atomgruppenaustausch...)
  • Energie-Konzept,
  • Gleichgewichts-Konzept, sowie erweitert
  • Größen-Konzept und
  • Technik-Konzept. [5]

Je nach Autor findet man zum Teil unterschiedliche Bezeichnungen, Untergliederungen sowie weitere "Basiskonzepte".

Basiskonzepte sind die Grundlage des Kompetenzbereiches Fachwissen in den Bildungsstandards.

GB: key concept

  Begriffsnetz Begriffe werden in einer grafischen Darstellung mit Relationen (z.B. Verben) verbunden.

Beispiel für den Beginn eines Netzes: Ethen und Wasser reagieren zu 1,2-Ethandiol, eliminiert dann Wasser und wird zu Epoxid...

GB: concept map

+ Beobachtung Aktive, theoriegeleitete Auseinandersetzung mit Inhalten.
  • Direkt: Wahrnehmung mit den Sinnesorganen, z.B. Geruch, Licht, Druck, Geschmack...
  • Indirekt: Wir schließen beispielsweise aus einer Temperaturänderung in einem Reaktionsgefäß auf das Stattfinden einer chemischen Reaktion.
  • Vermittelt: Mit Hilfsmitteln erfahrbar gemachte Beobachtung, besonders bei Qualitäten, für die wir keine Sinnesorgane besitzen, etwa Energiedosis bei radioaktiver Strahlung, pH, UV...
  • Quantitativ: Genaue Angabe der Größe, z.B. 30,0 °C.

Beobachtung sollte von der allein Kenntnis nehmenden Wahrnehmung unterschieden werden.

GB: observation

  Betriebserkundung Eine spezielle Form der Lehrwanderung zu einem Betrieb, die dem Fachunterricht dient und ausgewiesene Lehrziele bearbeitet.

Zu unterscheiden von der wenig unterrichtsrelevanten Form der Betriebsbesichtigung.

GB: field trip

  Beurteilung a. Beschreibung der (subjektiven) Wahrnehmung, Meinung eines Sachverhaltes oder einer Person. Ergebnis ist ein begründetes Wortgutachten.

b. Höchste Denkstufe (VI von 6) des kognitiven Bereichs im System der Bloomschen Taxonomie.

Verwandt ist der Begriff Bewertung.

GB: formative assessment

  Bewertung a. Allgemein versteht man im Zusammenhang mit Schule unter Bewertung die Einschätzung des Wertes oder der Bedeutung eines Sachverhaltes oder Inhaltes. Ein verwandter Begriff ist Evaluation: i.w.S. synonym verwendbar, i.e.S. in der Schule wird differenziert.

b. Im speziellen Fall von Prüfungen bedeutet es, einer gemessenen Leistung (Leistungsmessung) eine Note nach vorgeschriebenem oder vereinbartem System zuzuordnen.

Ergebnis ist stets ein Zahlenwert. Sonst spricht man eher von Beurteilung.

siehe auch Leistungsmessung.

GB: final assessment

  Bezugswissenschaft Die Fachdidaktik der Chemie setzt sich hauptsächlich mit Inhalten der Wissenschaft Chemie auseinander. Deshalb ist die Chemie die Bezugswissenschaft für die Fachdidaktik der Chemie. Als weitere Bezugswissenschaft gilt für uns die Schulpädagogik.

[nach 37]

+ Bildung a. In unserem Kulturkreis übliche Umschreibung für die Gesamtverfassung der Person in geistiger und charakterlicher Hinsicht als Ergebnis des eigenen Er- und Verarbeitens aus dem Angebot der Umwelt und der Auseinandersetzung mit ihr in persönlicher, lebenslanger Beschäftigung. [4]

b. Gesamtheit von Persönlichkeitsmerkmalen, die auf einer aktiven Auseinandersetzung von Erziehungsleistungen beruhen.

c. "Bildung ist die Fähigkeit, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden". [Beauregard?]

Hinweise: Man kann Menschen nicht bilden, nur erziehen. Jeder Mensch bildet sich selber. Bildung ist gelebte Moral. [5]

GB: education (siehe dazu Bemerkungen unter Didaktik)

  Bildungsstandard Man unterscheidet:
  • inhaltliche und handlungsorientierte Standards; sie beschreiben, was Lehrer unterrichten und Schüler können müssen sowie klar und eindeutig die aufzubauenden Kompetenzen (Fachwissen mit Hilfe von Basiskonzepten) und das zu erreichende Wissen.
  • Standards für Lehr- und Lernbedingungen beschreiben die Methoden und Prinzipien guten Lehrens und Lernens, die von Vertretern der Fachdisziplin und Didaktik allgemein anerkannt werden.
  • Leistungs- oder Ergebnisstandards beschreiben, über welche Kompetenzen Schüler zu bestimmten Zeitpunkten ihrer schulischen Entwicklung (meist am Ende der regulären Schullaufbahn oder beim Übergang in eine weiterführende Schule) verfügen müssen. Durch national einheitlich gestaltete Tests wird dann die Einhaltung dieser Standards überprüft.

Es werden unterschieden:

  • Mindeststandards (Minimum an Kompetenzen, das alle Schülerinnen und Schüler zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt in ihrer Schullaufbahn erreicht haben müssen; ein Unterschreiten würde mit erheblichen Schwierigkeiten dieser Schüler beim Übergang ins Berufsleben einhergehen).
  • Regelstandards (beschreiben Kompetenzen, die im Durchschnitt von den Schülern einer Jahrgangsstufe erreicht werden sollen) und
  • Maximalstandards (Kompetenzen beziehen sich darauf, was die besten Schüler der jeweiligen Jahrgangsstufen können sollten).

Die Kultusministerkonferenz hat Regelstandards für das Ende der Grundschulzeit (Jgst. 4 oder 6), das Ende der Schulpflicht (Jgst. 9), den mittleren Schulabschluß (Jgst. 10, Chemie) und Einheitliche Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung (EPA) für alle Fächer (Chemie) entwickelt [40].

GB: (national) standards of education

 + Bildungsziele

Normative Beschreibung einer anzustrebenden Idealvorstellung oder eines Leitbildes. [26]

Man unterscheidet:

  • Oberste Bildungsziele (syn. allgemeinste Bildungsziele)
Bsp. Bayern Bsp. Sachsen
Verfassung Art.131 (2) Stand 20.2.1998  Verfassung Art. 101 (1) vom 26.5.1992

Ehrfurcht vor Gott

Achtung vor religiöser Überzeugung

Achtung vor der Würde des Menschen

Selbstbeherrschung

Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit

Hilfsbereitschaft

Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne

Verantwortungsbewußtsein für Natur und Umwelt.

Ehrfurcht vor allem Lebendigen

Achtung vor der Überzeugung des anderen

Nächstenliebe

Gerechtigkeit

sittliches und politisches Verantwortungsbewußtsein

Frieden

berufliches Können, soziales Handeln, freiheitlich demokratische Haltung

Erhaltung der Umwelt.

und

  • Allgemeine Bildungsziele.
    Beide sind nicht von einem Fach abhängig.

Bsp.: Bewußtsein der zentralen Schlüsselprobleme der Menschheit, Solidarfähigkeit, Selbstbestimmung, Fähigkeit zu urteilen,  Fähigkeit zum eigenen Standpunkt, Kritikfähigkeit u.ä.... [6]

GB: education ideals

Oder:

  • fachspezifische Bildungsziele; Bsp.: Vorstellung von der Leistungsfähigkeit von Trennverfahren (etwa für Stoffmischungen; unterschiedliche Niveaus für z.B. Unter- oder Oberstufe), Vorstellung von der Spezifität von Nachweisverfahren.
    GB: education aims
  • fächerübergreifende Bildungsziele; Bsp.: Teamfähigkeit, Grenzen der Objektivierbarkeit.
  Bloomsche Taxonomie Ordnungsprinzip für die Stufen des Denkens nach Benjamin Bloom (1956), auch Operatoren genannt.

Kognitiver Bereich:

  1. Wissen (Wiedergabe von Fakten, Daten, Regeln, Gesetzmäßigkeiten, Merkmalen, Kenntnissen...)
    Fragen: wer, was, wie, warum
    Aufgaben: finde, zeige, nenne, beschrifte, markiere...
    GB: knowledge
  2. Verständnis (Erläuterungen zu den Informationen verstehen, mit eigenen Worten wiedergeben, Zusammenhänge erkennen)
    Aufgaben: vergleiche, erkläre, stelle gegenüber...
    GB: comprehension
  3. Anwendung (Lösen von Problemen in neuem Zusammenhang unter Anwendung des neu erworbenen Wissens und Verständnisses)
    Aufgaben: konstruiere, entwickle, plane, löse (durch experimentieren)...
    GB: application
  4. Analyse (Umgang mit Informationen: prüfen, gliedern, Schlußfolgerungen ziehen, Beweise finden, Widersprüche aufdecken, Verallgemeinerungen treffen...)
    Aufgaben: klassifiziere, kategorisiere, vereinfache, formuliere Vermutungen, ziehe Schlüsse...
    GB: analysis
  5. Synthese (Umgang mit Informationen: verbinden von Fakten zu neuen Zusammenhängen, Formulierung von Lösungswegen, Aufstellen begründeter Hypothesen, Erkennen von Grenzen...)
    Aufgaben: formuliere eine Theorie..., teste, schlage einen Lösungsweg vor..., ändere so ab, dass...
    GB: synthesis
  6. Beurteilung (Alternativen abwägen, Entschlüsse fassen, diese darstellen und verteidigen auf der Grundlage eines Kriterienkataloges).
    Aufgaben: wähle aus, interpretiere, widerlege, beweise, formuliere Empfehlungen...
    GB: evaluation

Gelegentlich wird eine Stufe 0 "Glauben" formuliert: un- oder wenig begründete Annahmen wiedergeben.

Dem kognitiven Bereich kommt besondere Bedeutung bei der Formulierung von (Prüfungs)Aufgaben zu.

Affektiver Bereich (affective):

  1. Werte beachten (sensibel werden für ein Thema); receiving
  2. Werte beantworten (emotionale Reaktion, spontane Verarbeitung); responding
  3. Wertung vornehmen (selbst etwas für wertvoll halten, ihm einen Wert für sich selbst beimessen); valuing
  4. Wertordnung (Integration von Haltungen in eine Hierarchie von Überzeugungen); organization
  5. Werte verinnerlichen (leben nach einer Wertordnung; empfinden der eigenen Identität über Werte); internalizing.

Psychomotorischer Bereich (psychomotor):

  1. (set, readiness to act)
  2. Imitation (Nachahmung von Handlungsabläufen); guided response, imitation
  3. Manipulation (Ausführen von Instruktionen, Einüben von Techniken); mechanism, manipulation
  4. Präzisierung (Erhöhung der Genauigkeit bei Techniken); complex overt response, precision
  5. Handlungsgliederung (Koordination verschiedener Elemente zu komplexeren Techniken); adaptation, articulation
  6. Naturalisierung (Verinnerlichung von Abläufen); origination, naturalization.

[nach 35, 49]

  chemisches Dreieck
chemisches Tetraeder
Ursprünglich als Dreieck illustriertes Zusammenspiel von submikroskopischer, makroskopischer und Repräsentations-Ebene [44]. Später wurde eine weitere Dimension "Human Element" = lebensweltliche Komponente bzw. Alltagserfahrung eingeführt [45], so dass man eher von einem Tetraeder oder Viereck sprechen sollte. Über diese lebensweltliche Komponente soll eine stärkere Orientierung und Anbindung fachlicher Inhalte an den Alltag von Lernenden gewährleistet werden.

Visualisierung

GB: ?

  Curriculum siehe Lehrplan.

Gelegentlich wird als geschlossenes Curriculum ein Lehrplan bezeichnet, der alle Lehrziele, Inhalte, Unterrichtsmethoden und Unterrichtsmittel festlegt. [30]

+ Deduktion Von der bekannten Regelhaftigkeit wird ein Einzelfall gedanklich abgeleitet. Eine Regel wird überprüft.

Gegenteil: Induktion.

GB: deductive design

  Didaktik

gr. didaskein = lehren (um der Bildung willen); Comenius: lat. ars docendi = Kunst des Lehrens.

i.w.S. = Wissenschaften vom durch Lehre geleiteten Lernen [4]. Unter der Vorgabe von Unterrichtszielen ist sie an der Auswahl der Fachinhalte beteiligt.

Mittlerweile wird unterschieden:

  • Didaktik i.e.S. = Wissenschaft vom Lehren, und
  • Mathetik = Wissenschaft vom Lernen.

Beide sind aber untrennbar miteinander verbunden, weil man nach heutigem Verständnis nichts erfolgreich lehren kann, ohne sich gleichzeitig zu fragen: Wie lernen Schüler? [15]

Didaktik und Mathetik bilden den institutionellen Ort, an dem moderne Gesellschaften die Natur fachunterrichtlicher Prozesse kritisch betrachten. Sie berücksichtigen und nutzen aktuelle Erkenntnisse aus der Pädagogischen Psychologie, der Neurophysiologie und der Informationstechnologie.

GB: (chemistry) education (Vorsicht: didactics bedeutet eher "belehren" in frontaler Situation; historisch bedingt beinhaltet im englischsprachigen Raum science education auch chemistry education; oft wird aber gar nicht differenziert).

  Didaktische Analyse a. Nach  Klafki: Erschließung des Bildungsgehaltes von Inhalten mit Blick auf den Lernenden, z.B. Bemühung um das Herausarbeiten des Allgemeinen aus dem Besonderen. Das Ergebnis ist Grundlage für die (methodische) Unterrichtsplanung und -vorbereitung. [nach 14]

b. Erweitert für die Erfordernisse der Fachdidaktik: Reflexion aller den Unterricht beeinflussender Faktoren, z.B. anthropogene und soziokulturelle Voraussetzungen, Inhalte, Lernziele, Unterrichtsverfahren, Unterrichtsmittel, fachgemäße Arbeitsweisen, Artikulation usw.

Anmerkung: Für Prüfungen wird der Begriff als zu weit gefasst angesehen. Didaktische Analysen sollten daher entweder nicht gefordert, oder bei Verwendung genau präzisiert und stark eingegrenzt werden. [3]

GB: ~ lesson observation

+ Didaktisches Dreieck

Ein Bild für die Beziehung zwischen Lehrer, Schüler und Inhalt. [4]

GB: ~ learning relationship

 + Didaktischer Ort

Position einer methodischen Maßnahme (oder eines Experimentes) im zeitlichen Verlauf einer Unterrichtsstunde und im methodischen Verlauf einer Unterrichtseinheit, der eine klare Rolle im Unterrichtsgeschehen zukommt. Man unterscheidet z.B. [nach 6n]:

  • den Einstieg (Problemexperiment)
  • Problemlösung (Lösungsexperiment - induktiv, Bestätigungsexperiment - deduktiv)
  • Erarbeitung (Erarbeitungs-, Untersuchungsexperiment)
  • Festigung (Übungs-, Wiederholungsexperiment)
  • Leistungsmessung (Prüfungs-, Beurteilungsexperiment)
  • ...

Von den Artikulationsstufen (Artikulationsmodell) nicht klar abzugrenzen, da "didaktischer Ort" einem anderen Beschreibungsmodell für Unterricht angehört.

+ Didaktische Reduktion a. Tätigkeit eines Lehrenden mit dem Ziel der unterrichtsrelevanten Aufbereitung von Fachinhalten zur Optimierung ihrer Verständlichkeit. Sie verläuft über mehrere sich gegenseitig beeinflussende Stufen.

b. Ist die systematische Veränderung der fachlichen Ansprüche durch analytisch-logische Zergliederung komplexer Sachverhalte bis zur leicht möglichen Assoziation durch den Lernenden auf der Basis seiner mitgebrachten Vorstellungen.

Wir unterscheiden:

  • sektorale Reduktion (Ausschnittbildung und Einengung des Gültigkeitsumfanges von Aussagen) und
  • strukturelle Reduktion (Verringerung der Kompliziertheit, z.B. durch Weglassen wissenschaftlicher Daten, Schematisierung, Modellbildung) [41]

Prinzipien:

  • fachliche Richtigkeit
  • fachliche Ausbaufähigkeit (es dürfen sich keine Widersprüche bei der Rückkehr zum Komplizierten ergeben)
  • Angemessenheit (bezüglich der kognitiven Stufe des Lernenden).

Schritte:

  • Selektieren (Zielfestlegung, Inhaltswahl, Ausschnittbildung, Beispielwahl)
  • Elementarisieren (Hervorhebung des Phänomens, der Beobachtung, der funktionellen Einheit)
  • Komplexieren (Generalisierung und Anwendung nach unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden)

Maßnahmen:

  • Beschränkung auf die qualitative Ebene
  • Vernachlässigung und Vereinheitlichung
  • Schematisierung und Symbolisierung
  • Partikularisierung (syn.: sektorale Reduktion); chunking
  • Generalisierung
  • Elementarisierung
  • Rückgriff auf historische Erkenntnisstufen
  • Vernachlässigung begrifflicher Feindifferenzierung (syn.: strukturelle Reduktion).

Syn.: Fasslichkeit, Vereinfachung, Isolierung der Schwierigkeiten.

Gegenteil: Intuition.

Siehe auch Ergänzung durch didaktische Rekonstruktion. Visualisierung.

GB: ~ funneling

+ Didaktische Rekonstruktion

Der Begriff geht über die didaktische Reduktion hinaus. Der Lehrende versucht, nicht nur die kognitive und eventuell die psychomotorische Dimension an Lernende in geeigneter Weise weiter zu geben, sondern bezüglich Verständnis und Sinnangebot neue oder im Wissenschaftsbetrieb nicht beachtete individuale und soziale Relationen (affektive Dimension) zu vermitteln; sie führt zu einem Mehrwert didaktischer Bemühungen. Inhalte des Schulunterrichts sind nicht vom Wissenschaftsbereich vorgegeben, sondern müssen in pädagogischer Zielsetzung erst hergestellt werden. [19]

Bsp. für diesen "Mehrwert": etwa

  • ethische Fragen zur Gewinnung und Verwendung bestimmter Meßwerte,
  • theoretische Vorannahmen,
  • kontroverse Auffassungen,
  • fachübergreifende Ergebnisse,
  • in Beziehung setzen mit der Lebenswelt. [nach 19]

Visualisierung.

+ Didaktische Regeln Auf Comenius zurückgehende Erfahrungsregeln, die das didaktische Prinzip der Faßlichkeit fördern [nach 6] S. 190-192:
  • vom Bekannten zum Neuen
  • vom räumlich, zeitlich und seelisch Nahen zum Fernen
  • vom Einfachen zum Komplizierten
  • vom Leichten zum Schwierigen
  • vom Konkreten zum Abstrakten.

Zur sicheren Anwendbarkeit bedürfen sie der Begründung durch lernpsychologische und neurophysiologische Befunde.

  Didaktischer Schwerpunkt

Syn.: psychische Dimension.

  didaktische Transformation Typischer Aufgabenbereich der Didaktik: ein vorgegebener Inhalt wird strukturell analysiert und unter Berücksichtigung der kognitiven Struktur des Schülers sowie dessen Lernzielen so zu Lehrzielen und -inhalten umkonstruiert, dass er mindestens das Elementare enthält und zu vorausgegangenen Lernprozessen nicht im Widerspruch steht. Sinngemäß nach [13]

Der "Überträger" (Lehrende) bleibt dabei nicht neutral, sondern bringt umfangreiches Wissen über Inhalt, Lehrmethodik und Lernprozess ein. Siehe: Transfer.

Visualisierung.

  Differenzierung Anpassung des Schwierigkeitsgrades von Inhalten oder Aufgaben an die Fähigkeiten von einzelnen Lernenden .

Gelegentlich wird der o.a. inneren Differenzierung die äußere gegenüber gestellt: die Lernenden einer Jgst. werden für ein bestimmtes Fach z.B.

  • in Leistungsgruppen oder
  • Interessengruppen
  • soziale Gruppen
  • Altersgruppen... oder
  • Schultypen zusammengefaßt (z.B. in integrierten Gesamtschulen der A-Kurs auf gymnasialem Niveau).

Legende:
[n]   Quellenangabe, wobei n = Laufende Nummer aus dem Quellenverzeichnis.
fett Hervorhebungen sowie, bei Verbreitung mehrerer Synonyme, der vom Autorenkreis bevorzugte.


    E-Mail an: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de