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Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth Stand: 14.09.06 |
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Teil 2 von 3
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2. Physikalische und chemische Eigenschaften der Riechstoffe |
5. Der Geruchssinn des Menschen |
7.1 Natürliche Moschusriechstoffe |
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Der Vergleich mit den Sinneszellen eines Dackels (ca. 125 Mio.) und eines Schäferhundes (ca. 250 Mio.) belegt deren viel besseres Riechvermögen. Ein Mensch reicht 1 g Buttersäure, die in einem 10-stöckigen Haus verteilt sind, gerade noch. Ein Hund kann die Buttersäure riechen, wenn 1g davon im Luftraum über Hamburg bis in 100 m Höhe verteilt wurde.
Wie funktioniert jetzt aber eigentlich unser Geruchsinn?
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| Abb. 1: Weg eines Duftstoffes von seiner Aufnahme bis zu seiner Wahrnehmung [1] |
Zunächst gelangen die Duftmoleküle in unsere Nase. Hier müssen sie dann die Schleimhaut durchdringen (deshalb besitzen die Riechstoffe einen polaren Molekülanteil), um zu den Riechhaaren der Riechsinneszellen mit ihren Rezeptormolekülen zu gelangen.
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| Abb. 2: Riechsinneszelle [1] |
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| Abb. 3: Sinneshaare unter dem Elektronenmikroskop [1] |
Wie bereits erwähnt sind diese Rezeptoren sehr spezifisch, da bereits geringste Strukturveränderungen im Riechstoffmolekül zu einer Geruchsänderung führen. Der Mensch besitzt eine große Zahl verschiedener Rezeptormoleküle, da wir ca. 10000 verschiedene Düfte unterscheiden und wahrnehmen können. Am anderen Ende der Riechsinneszellen besteht über dünne Riechnervenfasern (Axone) ein direkter Zugang zum Gehirn. Zu Tausenden gebündelt laufen diese Axone durch die Siebbeinplatte des Nasenbeins bis in den Riechkolben des Vorderhirns. Hier kommt es nun zu einer Verschaltung und damit einer Reduzierung der Duftinformationskanäle: mehr als 1000 Axone von Riechzellen laufen in einer Mitralzelle zusammen. Die etwa 30000 Axone der Mitralzellen bilden den einzigen Ausgang aus dem Riechkolben. Sie bilden den Riechstrang. Über den Riechstrang gelangt die Information weiter zum einen zum Neokortex und zum andern direkt zum Limbischen System mit Mandelkern und Hippocampus.
Warum können wir jetzt Düfte aber bereits in geringster Konzentration wahrnehmen?
Nach heutigen Erkenntnissen findet die Auslösung eines sensorischen Reizes durch direkten Kontakt eines Geruchsstoffs mit den Rezeptormolekülen auf den Riechhaaren.
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| Abb 4: Riechmembran mit Ablauf der Signalübertragung [1] |
Dadurch wird ein Golf-Protein aktiviert, das wiederum das Enzym Adenylatzyklase aktiviert. Dies führt zu einer Erhöhung der Konzentration von cAMP-Molekülen (cyclisches Adenosinmonophosphat) in der Zelle. Diese cAMP-Moleküle bewirken, dass direkt Kationenkanäle in der Membran geöffnet werden. Die Aktivierung eines einzigen Rezeptorproteins durch ein Duftstoffmolekül kann 1000-2000 solcher cAMP-Moleküle erzeigen, und somit viele Ionenkanäle öffnen. Dies ist die Erklärung für den niedrigen Schwellenwert vieler Riechstoffe. Die einströmenden Kationen bewirken eine Depolarisation, das Rezeptorpotential der Zelle. Am Übergang zum Nervenfortsatz werden diese lokalen Potentiale in eine Erhöhung der Aktionspotentialfrequenz umgesetzt. Vom Riechkolben aus gelang die codierte Information dann durch den Riechstrang an die höheren Zentren des Nervensystems. Hier werden die Informationen entschlüsselt und in eine Geruchsempfindung transformiert.
Wie bereits erwähnt sind die Nervenleitungen des Geruchssinns mit dem Limbischen System verbunden. Dass unser Geruchssinn mit unserer Gefühlswelt in direktem Kontakt steht, wird von der Werbung gnadenlos ausgenutzt. So werden bewusst Assoziationen angesprochen oder zahlreiche Produkte aromatisiert oder parfümiert.
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| Parfümbestandteile | Aufgabe | Beispiele |
| Kopfnote (la tête) | soll beim Auftragen des Parfüms sofort wahrnehmbar sein | Citrusöle Bergamotteöle |
| Herznote (la coeur) | enfaltet sich nachdem die Kopfnote verklungen ist, soll bis zum Geruchsausklang andauern | Jasminöl Zedernholzöl Rosenöl |
| Basisnote (le fond) | entfaltet sich erst längere Zeit nach dem Auftragen, soll die übrigen Elemente fixieren | Patchouliöl Sandelholzöl Moschus |
Dabei schaffen die Kompositeure zunächst aus Blütenölen einen "Akkord". Dadurch entsteht eine grundsätzliche Note, die sogleich beim Auftragen wahrgenommen werden, aber auch in der Hauptnote andauern soll. In der Kopfnote (la tête), dem ersten Eindruck des Parfüms, werden vor allem Düfte wie Bergamotteöl und Citrusöl verwendet, die das Parfüm "beleben" sollen. Die Mittelnote (le coeur) besteht aus mäßig flüchtigen Riechstoffen, meist Blumennoten, die dem Parfüm "Wärme und Leben" einhauchen sollen. Als Basisnote (le fond) dienen kaum flüchtige und stark haftende Riechstoffe, die bereits eine fixierende Eigenschaft übernehmen. Hier finden hauptsächlich etherische Öle (Patchouli-, Sandel-, Vetiveröl), Harze, Cumarin und tierische Drogen (Moschus, Ambra, Zibet) Verwendung. Sie dienen einerseits der Stabilisierung der gesamten Duftkomposition, andererseits erhöhen oder unterdrücken sie die Entfaltung des Geruchseindruckes. In den Handel gelangen die Parfüms dann als alkoholische Lösung.
Die Parfümöle selbst bestehen wieder aus einer großen Anzahl verschiedener Riechstoffe. Genauere Zusammensetzungen finden sie im Riechstofflexikon!
Je nach Zusammensetzung unterscheidet man:
| Parfüms: enthalten 8-25 % Riechstoffe und werden mit 95%igem Alkohol vermischt. | |
| Eau de Parfüm: ist eine schwächere Variante des Parfüms. | |
| Eau de Toilette: ist eine 5-8%ige alkoholische Lösung, sehr leicht. | |
| Eau de Cologne: enthält 2-5 % Parfümöl in 70 - 80%igem Alkohol, ist ein eher leichtes Duftwasser. | |
| Parfüm Gele: enthalten wenig Alkohol, Gelbildner und 5-7 % Parfümöl. |
Männerdüfte: frisch (Cool Water), blumig-frisch (Escape), holzig-ledern (Aramis 900), würzig (Old Spice), orientalisch (Roma Uomo), Chypre-Note (Boss), aromatisch-holzig (Cerrutti), aromatisch-leicht (Tabac Original)
Frauendüfte: blumig-fruchtig (Contradiction), blumig (Chanel N°19), frisch (ck Be), blumig-leicht (Laura), aldehyische Note (Chanel N°5), Chypre-Note (Yvresse), orientalisch (Obsession), blumig-orientalisch (All about eve)
| Kaltextraktion: Hierzu zerkleinert man beispielsweise Orangenschalen und zerreibt sie mit wenig Alkohol solange, bis ein Brei entstanden ist. Anschließend filtriert man das Gemisch ab. | |
| Enfleurage: Hierzu werden Blütenblätter auf geruchloses Fett aufgelegt und zwischen zwei Glasplatten gepresst. Das Fett nimmt den Duft der Blüten auf. Dieses Verfahren dauert bei einer Blütenfracht mindestens 24h. Dann wechselt man die Blüten mehrfach aus, bis das Fett gesättigt ist. Anschließend wird das Fett mit Alkohol gemischt. Dabei gehen die Duftstoffe in den Alkohol über. | |
| Wasserdampfdestillation: Die Wasserdampfdestillation wurde ca. 1000 n. Chr. von den Indern erfunden. Sie wird hauptsächlich verwendet zur Gewinnung etherischer Öle. |
Ab dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts wurden die Düfte dann kräftiger, denn in der wachsenden Anonymität der Großstädte wollte man mehr Eindruck auf seine Mitmenschen machen. Daneben erweiterte eine stetig steigende Zahl an synthetischen Riechstoffen die Palette der Parfümeure. Den Anfang machte hier das Cumarin(1868), gefolgt von Vanillin(1874), Ionon und synthetischem Moschus. So waren die Parfümeure in der Lage Pafüms zu kreieren, deren Akkorde ihre eigene Ästhetik hatten, so erhielt das klassische Blütenbouquet einen Kontrapunkt aus Moschus, Vanille, Sandelholz und Bergamotteöl. Ein weiterer Vorteil bestand in der stets gleich bleibenden Qualität.
Zum Durchbruch des Parfüms kam es aber erst durch die Werbung in Printmedien und das Aufkommen des Markenbewusstseins.
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| Abb. 5: Werbeanzeige von 1914 Quelle: Dragoco Report 3/1998 S. 121 |
So wurde die Marke mit dem Image nach Traum und Verheißung versehen. Das Parfüm war damit nicht nur mehr ein Produkt für Hygiene und Pflege, es gewährte vielmehr den Zutritt zu einem neuen Leben. Als das erste neue Parfüm darf sich Jicky(1889) von Aimé Guerlain bezeichnen.
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| Abb. 6: Jicky (1889) Quelle: Dragoco Report 3/1998 S. 112 |
Daneben trug auch noch Coty entscheidend zur Entwicklung des neuen Parfüms bei. So war er der erste, der sein Parfüm mit einem entsprechenden Flakon verkaufte. Von nun an konnte man bereits am Flakon seinen Inhalt erkennen. 1921 vollendet dann Chanel No. 5 den Geburtsakt des neuen Parfüms.
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| Abb. 7: Chanel N° 5 (1921) Quelle: Dragoco Report 3/1998 S. 122 |
Es ist das erste Parfüm in der synthetische Riechstoffe, nämlich Fettaldehyde (unverzweigte aliphatische Aldehyde mit 9-12 C-Atomen), die dominante Rolle übernehmen. Indem sich Chanel No. 5 eindeutig mit Coco Chanel und deren Mode identifizierte war jeder Frau sofort klar: Wenn die Modelle von Chanel (egal ob ich sie mir leisten kann oder nicht) meinem Geschmack und gewünschten Lebensstil ausdrücken, dann ist Chanel No. 5 genau das richtige Parfüm für mich. Dadurch wurde No. 5 zum erfolgreichsten Parfüm aller Zeiten.
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E-Mail: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de
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