|
Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth Stand: 03.02.05 |
![]() |
![]()
![]()
Vortrag von Angelika Roith im Rahmen der "Übungen im Vortragen mit Demonstrationen - PC", SS 2000
![]()
Gliederung:
|
1. Definition und Erscheinungsformen von Korrosion 1.1 Chemische Korrosion 1.2 Elektrochemische Korrosion 2.1 Korrosionsschutzgerechtes Konstruieren 2.2 Elektrochemischer Korrosionsschutz 2.3 Metallische und nichtmetallische Überzüge 2.4 Inhibitoren |
![]()
Einstieg:

Folie: "La Tour Eiffel est éternelle." (Der Eiffelturm ist ewig).
| Erbauer: | Gustave Eiffel |
| Bauzeit: | 1887-89 |
| Beschäftigte: | 300 Arbeiter |
| Material: | 2,5 Mio Nieten 7000 Tonnen Stahl |
| Höhe: | 300,5m 320,5m (mit Antenne) |
| Besucher: | 5,7 Mio /a |
| Kosten für die Instandhaltung: |
Totalsanierung 1989: 200
Mio FF = 65 Mio DM alle 7 Jahre Streichen mit 50 t Farbe |
Korrosion ist der Grund für die enormen Kostenaufwendung zur Erhaltung des Turmes.
![]()
|
Unter Korrosion versteht man die langsame Oxidation von Metalloberflächen unter dem Einfluss des umgebenden Mediums. |
Charakteristisch für diese Korrosionsart ist der direkte Elektronenaustausch zwischen den Reaktionspartnern während der ablaufenden Redoxreaktion und die i.d.R. gleichmäßige Flächenabtragung. Ein Beispiel für die chemische Korrosion ist die Reaktion von Metallen mit oxidierenden Gasen, insbesondere bei höheren Temperaturen, wie sie bei der Verzunderung stattfindet.
Die Verzunderung unterteilt sich in 2 Teilvorgänge:
Abb1.: Verzunderung (gif, 19k)
Anlaufvorgang:
Hierbei bildet sich eine dünne Anlaufschicht, in dem die auf der Metalloberfläche adsorbierten Sauerstoffmoleküle in Atome gespalten und unter Ionisation angelagert werden. Danach erfolgt die chemische Bindung unter Aufbau des Oxidgitters. Hat sich auf der Metalloberfläche eine geschlossene Oxidschicht gebildet, beginnt die Verzunderung.
Verzunderung:
Einerseits, und das ist die häufigere Form, kann das Metall in Form von Kationen und Elektronen durch die Deckschicht nach außen wandern und dort ein Dickenwachstum erzeugen. Andererseits kann der Sauerstoff durch die Deckschicht hindurch diffundieren und es kommt zu einem Dickenwachstum zwischen der Deckschicht und dem Metall.
Bei dieser Korrosionsart kommt es zur Ausbildung von Korrosionselementen. In Korrosionselementen liegt zwischen dem Anoden- und Kathodenbereich eine Spannung vor. Die ablaufenden Prozesse sind von einander abhängig, können jedoch unterschiedlich weit voneinander entfernt stattfinden.
Korrosionselemente können aufgrund unterschiedlicher Potentiale, wie es bei der Kontaktkorrosion der Fall ist, auftreten. Bei ihr stehen verschiedene Metalle miteinander in leitendem Kontakt und es ist ein ionenleitendes Medium vorhanden. Ein Beispiel hierfür sind Rohrinstallationen aus verschiedenen Materialien, so wenn beispielsweise die Warmwasser-Kupferleitung mit der Kaltwasser-Stahlleitung in Kontakt kommt.


Abb. 2: Schema eines Fe/Cu-Elementes, mit Reaktionsgleichungen
Versuch 1.2.1:
| Versuch: | Kontaktkorrosion | |||||||||||||||||||||
| Material: |
|
|
||||||||||||||||||||
| Vorbereitung: | Den Ansatz mindesten 3 bis 4 Tage
vor Gebrauch ansetzen, da die roten Farbe sich erst nach und nach
bildet.
1. Reinigung: Eisennagel vor dem Versuchsansatz mit Aceton entfetten, ausreichend Kontakt zwischen Eisen und Kupfer herstellen. 2. Korrosions-Indikatorreagenz (100ml): Je Petrischale werden max. 100ml benötigt. In 100ml H2O werden 2g NaCl und 0,1g K3[Fe(CN)6] gelöst und anschließend 4g Gelatine zugefügt. Die Lösung wird erwärmt, so dass sich die Gelatine löst und mit 10 Tropfen Phenolphtaleinlösung versetzt. Hinweis: Es ist sehr förderlich für die Gelingsicherheit, wenn man den pH-Wert auf pH = 7 einstellt. Dadurch stellt man sicher, dass der Umschlagbereich von Phenolphthalein erreicht wird und man könnte zusätzlich Wasserstoffkorrosion und damit die Wasserstoffentwicklung ausschließen, wenn es gewünscht wird. |
|||||||||||||||||||||
| Durchführung: | Den mit dem Kupferdraht umwickelten Eisennagel in das Korrosions-Indikatorreagenz einbetten. | |||||||||||||||||||||
| Beobachtung: | Am Eisennagel entstehen blaue Stellen. An dem Gebiet an dem der Eisennagel mit Kupferdraht umwickelt ist färbt sich die Gelatine rot (siehe Abb. 3) | |||||||||||||||||||||
| Interpretation: | Die Rotfärbung weist auf die entstandenen OH--Ionen (Kathode) hin, die Blaufärbung auf die entstandenen Fe2+-Ionen (Anode). | |||||||||||||||||||||
| Entsorgung: | Korrosions-Indikatorreagenz in den Hausmüll; Metallgegenstände reinigen und ggf. nochmals verwenden. | |||||||||||||||||||||

Abb. 3: Versuch 1.2.1, Ergebnis
Elektrochemische Korrosion kann auch aufgrund eines unterschiedlicher Sauerstoffgehalt im Elektrolyten auftreten. Ein Beispiel hierfür ist das Rosten von Eisen.
Befindet sich eine Wassertropfen auf Eisen, so kommt es aufgrund der unterschiedlichen Sauerstoffkonzentration zu einem Stromfluss.


Abb. 4: Fe/Fe-Element, mit Reaktionsgleichungen.
Versuch 1.2.2:
| Versuch: | Rosen von Eisen | |||||||
| Material: |
|
|||||||
| Vorbereitung: | Den Ansatz mindesten 3 bis 4 Tage
vor Gebrauch ansetzen, da die roten Farbe sich erst nach und nach
bildet.
Eisennagel vor dem Versuchsansatz mit Aceton entfetten. |
|||||||
| Durchführung: | Den Eisennagel in das Korrosions-Indikatorreagenz einbetten. | |||||||
| Beobachtung: | Am Eisennagel entstehen rote und blaue Stellen. | |||||||
| Interpretation: | Die Rotfärbung weist auf die entstandenen OH--Ionen (Kathoede) hin, die Blaufärbung auf die entstandenen Fe2+-Ionen (Anode), (siehe Abb. 5). | |||||||
| Entsorgung: | Korrosions-Indikatorreagenz in den Hausmüll; Metallgegenstände reinigen und ggf. nochmals verwenden | |||||||
| Quelle: | Lehmann, V.: Korrosion in Schulversuchen, NiU-PC 36 (1988) Nr. 33 S. 41 | |||||||

Abb. 5.: Versuch 1.2.2, Ergebnis
In der Mitte des Tropfens befindet sich die Anode, das Eisen geht in Form von Eisenkationen in Lösung. Die entstandenen Fe2+-Ionen werden mit weiterem Sauerstoff zu Fe3+-Ionen oxidiert. Dieses Ion bildet das Oxidhydrat FeO(OH), das, wenn das Löslichkeitsprodukt überschritten ist, rotbraun ausfällt. Die Kathodenreaktion, eine Sauerstoffkorrosion, läuft am Rand des Tropfens ab. Hierbei entstehen Hydroxidanionen.
![]()
Bauliche Schwachstellen an denen Korrosion leicht einsetzt kann, sind zum Beispiel Spalten, Kanten und der Kontakt verschiedener Metallteile. Diese können durch geeignetes konstruieren oder isolieren verhindert werden.
Hierbei unterscheidet man den anodischen und den bedeutenderen kathodischen.
Kathodischer Korrosionsschutz liegt vor, wenn die gesamte metallische Struktur zur Kathode gemacht wird und kann nur in neutralen Medien eingesetzt werden.
Dies kann auf 2 Wegen geschehen.
Erster Weg: Die korrodierende Struktur (Stahl) wird mit einem unedleren Metall (Magnesium, Zink) verbunden und diese Metall geht als Opferanode in Lösung. Bsp.: erdverlegte Tanks, Schiffe und Ölplattformen.
![]() |
![]() |
Abb. 6.: Fe/Zn-Element, mit Reaktionsgleichungen
Versuch 2.2:
| Versuch: | Kathodischer Korrosionschutz | |||||||||||||
| Material: |
|
|
||||||||||||
| Vorbereitung: | Den Ansatz mindesten 3 bis 4 Tage vor
Gebrauch ansetzen, da die roten Farbe sich erst nach und nach bildet.
Eisennagel und Zinkblech vor dem Versuchsansatz mittels Akopads reinigen und mit Spülmittel waschen. Den Eisendraht mit Aceton entfetten. |
|||||||||||||
| Durchführung: | Den Eisennagel über einen Eisendraht mit dem Zinkstück in Verbindung bringen und in das Korrosions-Indikatorreagenz einbetten. | |||||||||||||
| Beobachtung: | Rotfärbung am Eisennagel. | |||||||||||||
| Interpretation: | Die Rotfärbung weist auf die entstandenen OH--Ionen hin. (Siehe Abb. 7). | |||||||||||||
| Entsorgung: | Korrosions-Indikatorreagenz in den Hausmüll; Metallgegenstände reinigen und ggf. nochmals verwenden | |||||||||||||
| Quelle: | Lehmann, V.: Korrosion in Schulversuchen, NiU-PC 36 (1988) Nr. 33 S. 44 | |||||||||||||
Abb. 7.: Versuch 2.2, Ergebnis.
Zweiter Weg: Der
korrodierende Gegenstand wird als Kathode einer elektrolytischen Zelle
geschaltet, welche mit Gleichstrom aus externen Stromquellen versorgt wird.
I.d.R. ist die Hilfsanode (Platin, Blei, Graphit) dieser Zellen unlöslich.
Bsp.: erd- oder wasserverlegte Kabel oder Rohre
Die metallischen Überzügen
unterteilt man in Überzüge die edler und die die unedler als das zu
schützende Metall sind. Bei edlere Schutzüberzüge ist darauf zu achten, dass
keine Kratzer oder Poren im Überzug vorhanden sind, denn sonst steht eine
kleine Anode (das eigentlich zu schützende Metall) einer großen Kathode
gegenüber und es kommt zum Lochfraß. Bei den unedlere Schutzüberzüge ist Zink ist der
Spitzenreiter. 150.000 Tonnen Zink werden jährlich der Feuerverzinkung
zugeführt. Hierfür werden die zu verzinkenden Werkstücke zu nächst
vorgereinigt, entfettet, gespült, abgebeizt und in Flussmittel getaucht. Erst
dann werden sie für einige Minuten in flüssiges Zink getaucht und
anschließend mit Wasser abgeschreckt. anorganische Ein Beispiel dafür ist das Phosphatieren von Stahl, wie
es zum Beispiel bei der Herstellung von Autokarosserien stattfindet. Nach
verschiedenen Reinigungs- und Spülvorgängen findet das Aktivieren statt,
hierbei bilden sich Kristallisationskeime. Das eigentliche Phosphatieren
geschieht mit einer Lösung aus Dihydrogenphosphaten und anderen Zusätzen in
verdünnter Phosphorsäure in die das Werkstück getaucht wird. Dabei bildet
sich eine schwerlösliche Metallphosphatschicht. Die schichtbildenden Ionen
liegen in der Lösung in einer Konzentration vor, so dass sie sich gerade noch
lösen. Während des Phosphatierens findet aufgrund der Beizreaktion (Fe + 2H+-->
Fe2+ + H2) eine lokale pH-Verschiebung und damit eine
Veränderung der Konzentration an H2PO4-, HPO42-,
PO43- statt. Dadurch wird in den oberflächennahen
Bereichen das Löslichkeitsprodukt überschritten und die Phosphatierschicht
gebildet. Die Phosphatschicht haftet im Gegensatz zur Oxidschicht gut auf dem
Eisen und bildet somit einen guten Schutz vor Korrosion. Ein noch größeren
Schutz kann durch vorheriges Verzinken und anschließendes Auftragen einer
Keramik-, Polymer- und Lackschicht erreicht werden. organische Hierbei handelt es sich vor allem um Anstriche mit Lacken. Inhibitoren sind organische oder anorganische Anionen,
Kationen oder neutrale Moleküle, die bei Korrosion in feuchter Umgebung dem
Korrosionsmedium zugefügt werden. Sie erniedrigen die Korrosionsrate.
Orthophosphate, wie Dinatriumhydrogenphosphat, fördern die Bildung von
Schutzfilmen. Sie finden ihren Einsatz bei Trinkwasserrohren. Haben
Rohrleitungen aus feuerverzinken Stahl ohne Inhibitoren eine Lebensdauer von 3
bis 6 Jahren, so kann diese mit Phosphatinhibitor 25 Jahre betragen.
Polyphosphathaltige Substanzen (Handelsnamen: Calgon) bilden besonders in
kalkhaltigem Wasser große kolloidale Kationen (Na5CaP6O18)nn+
aus, die zur Kathode wandern, an der sie entladen werden und dicke Überzüge
bilden. I.d.R. werden Inhibitorengemische eingesetzt. Versuch 2.4: Schluß: Die einzelnen
Korrosionsschutzmethoden werden auf ihre Bedeutung für den Eiffelturm angedacht
und es wird festgehalten, dass die Franzosen weiterhin streichen müssen, um den
Vorsatz "la Tour est éternelle" verwirklichen zu können.
2.3 Metallische und
nichtmetallische Überzüge
2.3.1. Metallische Überzüge
2.3.2. Nichtmetallische Überzüge
2.4 Inhibitoren
Versuch:
Inhibitoren
Material:
![]()
2 Stück Eisenblech ![]()
2 Reagenzgläser ![]()
1,5 Löffel Na2HPO4
![]()
Wasser
Durchführung:
Je ein Stück Eisenblech in Reagenzglas
Nr. 1 und 2 geben. In Reagenzglas 1 wird nur Wasser, in 2
Wasser mit 1,5 Löffeln gelöstem Na2HPO4 gegeben.
Beobachtung:
In RG 1 rostet das Eisenblech, in
RG 2 selbst nach einer Woche noch nicht.
Interpretation:
Das Nichtrosten des im Na2HPO4-haltigen
Wasser stehenden Eisenblechs weist auf die inhibitorische Wirkung von Na2HPO4
hin.
Entsorgung:
Na2HPO4-haltigen
Wasser in den anorganischen Abfall; Metallgegenstände reinigen und ggf.
nochmals verwenden.
Quelle:
Schmidkunz, H.: Die Korrosion
von Eisen im Kontakt mit Kupfer, NiU-PC 36 (1988) Nr. 33 S. 20.
![]()
![]()
3. Literatur
| Naturwissenschaften im Unterricht-Physik/Chemie, 36, 1988, 33 (Themenheft). | |
| G. Wranglen, Korrosion und Korrosionsschutz, Springer-Verlag, 1985. | |
| H. E. Hömig, Metall + Wasser, Vulkan-Verlag, 1991. | |
| H. Gräfen, A. Rahmel, Korrosion verstehen - Korrosionsschäden vermeiden, Band 1 und 2, Verlag Irene Kuron, 1994. | |
| G. M. Barrow, Physikalische Chemie, Band 3, Bohmann Verlag, 1984. |
![]()
Didaktik der Chemie |
![]()