Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth

Stand: 14.01.05

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Leuchtstoffe anorganischer Natur
am Beispiel der Farbbildröhre

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Vortrag von Daniela Dressel im Rahmen der "Übungen im Vortragen mit Demonstrationen - PC", SS 2000

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Gliederung:

0. Einleitung
1. Die Farbbildröhre
2. Farben und Farbensehen
3. Leuchtstoffe
4. Lumineszenzmechanismen
5. Herstellung des Leuchtschirmes
6. Literatur

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0. Einleitung

Als Einleitung wurde ein Werbespot für Mediavision ("Schade, schade, schade...") gezeigt, wobei darauf hingewiesen wurde, dass ohne Leuchtstoffe Fernsehen gar nicht möglich wäre. Davon ausgehend wurden nun besprochen, wie die Farbbildröhre aufgebaut ist, was Leuchtstoffe sind und wie sie funktionieren.

1. Die Farbildröhe 

Die Farbbildröhre ist verantwortlich für die Farberzeugung und somit ein wichtiger Bestandteil eines Farbfernsehgerätes. Sie wandelt elektrische Impulse über die Leuchtstoffe in viele grüne, blaue und rote Lichtpunkte um, die waagerecht aneinander gereiht, das fertige Fernsehbild erzeugen. Man findet hauptsächlich zwei Bildröhrentypen auf dem Markt:
bulleteine mit punktförmigem Muster der drei Leuchtstoffe in hexagonaler Anordnung (Lochmaskenröhre)
bulleteine mit einem Linienmuster, bei dem die Leuchtstofflinien vertikal nebeneinander liegen (Schlitzmaskenröhre).

Der Betrachter des Fernsehbildes sieht i.d.R. keinen Unterschied.

Lochmuster

Folie 1: Lochmuster

 

Linienmuster

Folie 2: Linien- oder Schlitzmuster

Die Lochmaskenröhre hat ein System zur Erzeugung und Steuerung von drei Elektronenstahlen. Jeder Strahl ist für eine Farbe zuständig und wird für sich so gesteuert, dass er selektiv nur die ihm zugeordneten Leuchtstoffe (rote, grüne und blaue Punkte oder Linien des Leuchtschirms) anregt.

Schlitzmaske

Folie 3: Farbbilderzeugung

Die wesentlichen Bestandteile einer Farbbildröhre sind:
bulletElektronenstrahlsystem
bulletGlaskonus und Hals
bulletMetallinnenkonus
bulletMaske
bulletGlasschirm
bulletRahmen.

farbenklein

Folie 4: Bestandteile einer Farbbildröhre (gif 38k, DIN A4 quer)

2. Farben und Farbensehen

Die besondere Fähigkeit des menschlichen Sehapparates, Licht unterschiedlicher Wellenlänge bzw. Frequenz als verschiedenfarbig zu unterscheiden nennt man Farbensehen. An der Farbwahrnehmung sind grundsätzlich zwei Prozesse beteiligt, nämlich ein physiologischer im Auge und ein psychischer im Gehirn.

Das Farbensehen wird durch die Young-Helmholtzsche Dreifarbentheorie mit den Grund- und Primärfarben Rot (lr = 610 nm), Grün (lg = 535 nm) und Blau (lb = 470 nm) erklärt. Aus diesen Grundfarben entstehen durch additive Farbmischungen die Farben Gelb (aus Rot und Grün), Blaugrün (aus Grün und Blau), Purpur (aus Blau und Rot) und beim Zusammentreffen aller drei Farben Weiß.

farbenklein

Folie 5: Additive Farbmischung

3. Leuchtstoffe

Alle Stoffe, die Energie in irgendeiner Form absorbieren und diese Energie entweder ganz oder teilweise als Lichtstrahlung wieder abgeben können, fasst man unter dem Begriff der Leuchtstoffe oder Luminophore zusammen.

Man nennt diese Erscheinung allgemein Lumineszenz und unterscheidet speziell:
bulletFluoreszenz:            rasches Abklingen der Leuchterscheinung
bulletPhosphoreszenz:    merkliche Nachleuchtdauer (soll bei der Bildröhre vermieden werden)

Die Anregungsenergie kann von folgenden Strahlen bzw. Feldern geliefert werden:

Art der Anregung Name der Lumineszenz Vorkommen bzw. Verwendung
elektrische Felder Elektrolumineszenz Leuchtdioden, Festkörperlaser
radioaktive Strahlen Radiolumineszenz Detektion von Radioaktivität
Licht Photolumineszenz Photolumineszenz-Anregungsspektroskopie
chemische Reaktionen Chemolumineszenz Glühwürmchen ("Biolumineszenz")
Elektronenstrahlen Kathodolumineszenz Leuchtschirme

Für Fernsehbildschirme sind insbesondere diejenigen anorganischen Leuchtstoffe von Bedeutung, die bei Anregung durch Elektronenstrahlen für das menschliche Auge sichtbares Licht (400 - 800 nm) aussenden. Man kann so einen elektrostatisch oder elektromagnetisch bewegten Elektronenstrahl über einen aus Leuchtstoffteilchen zusammengestellten Leuchtschirm verfolgen. Diese Leuchtstoffe müssen allerdings gewisse Kriterien erfüllen, um für die Herstellung von Farbbildröhren geeignet zu sein:
bulletniedriger Dampfdruck
bulletgute Entgasbarkeit
bulletchemische und mechanische Stabilität
bullethohe Energieausbeute
bulletkurze Abklingzeit.

Der niedrige Dampfdruck und die gute Entgasbarkeit spielen sowohl bei der Herstellung als auch beim Betrieb im Hochvakuum eine wichtige Rolle, außerdem sind sie für die Lebensdauer entscheidend. Während der Herstellung müssen die Leuchtstoffe chemische und physikalische Prozesse unbeschadet überstehen, weshalb eine chemische und mechanische Stabilität wichtig ist. Die oben erwähnte kurze Abklingzeit spielt eine entscheidende Rolle bei er Bildentstehung, da der Elektronenstrahl die Bildfläche 50 mal in der Sekunde überstreicht, und das "alte" Bild bis dahin nicht mehr zu sehen sein darf. Aus diesem Grund ist die Nachleuchtdauer kleiner als 10-4 Sekunden.

Leuchtstoffe, die all diese Kriterien erfüllen sind z.B. ZnS und Y2O2S.

4. Lumineszenzmechanismen

Lumineszenz beruht stets auf einen Übergang von einem Elektron aus einem energetisch höheren Zustand in einen unbesetzten, energetisch tieferen Zustand. Bei der Kathodolumineszenz regen Kathodenstrahlelektronen Aktivatoren an, wobei diese in ein energetisch höheres Niveau angehoben werden. Beim Übergang zurück in den Grundzustand wird Energie frei in Form von Lumineszenzstrahlung.

Tabelle

Folie 6: Prinzip der Lumineszenzmechanismen (gif 9k, DIN A4 quer)

Bei den beschriebenen Leuchtstoffen handelt es sich um Feststoffe bzw. Festkörper. Für die Beschreibung der chemischen Bindung zieht man das Energiebändermodell heran. In jedem Atom gibt es diskrete Elektronenniveaus, von denen die mit der niedrigsten Energie mit Elektronen besetzt sind. Nähert sich einem Atom ein zweites Atom, so spalten alle Energieniveaus aufgrund der Wechselwirkung zwischen den Elektronen auf. Bei n (benachbarten) Atomen ist diese Aufspaltung n-fach. In einem Festkörper werden dabei aus besetzten Niveaus das Valenzleitband und aus unbesetzten Niveaus das Leitungsband. Den Abstand zwischen Valenz- und Leitungsband nennt man Bandlücke. Bei einem Isolator ist diese Bandlücke groß, bei einem Halbleiter klein, und bei einem Metall gibt es keine Bandlücken, da Valenz- und Leitungsband überlappen oder das Valenzband nicht völlig besetzt ist. Bei den erwähnten Leuchtstoffen handelt es sich um Halbleiter. Aufgrund der schmalen Bandlücke kann ein Übergang vom Valenzband in das Leitungsband stattfinden.

Bei den Elektronenübergängen kann man folgende Mechanismen unterscheiden:

  1. Bei ausreichend großer Anregung kann ein Elektron vom Valenzband in das Leitungsband gehoben werden, wobei im Valenzband ein "Loch" (Defektelektron) entsteht. Durch Wechselwirkungen mit der Umgebung verliert das Elektron an Energie und sinkt an die Unterkante des Valenzbandes ab. Bei der Rekombination mit dem Defektelektron wird Energie in Form von Lumineszenzstrahlung frei.
  2. Es kann auch zur Ausbildung eines Excitons kommen, wobei Energie verbraucht wird. Ein Exciton ist ein Quasiteilchen, das aus einem Elektron und einem Defektelektron (Loch) besteht; durch Coulomb-Wechselwirkungen sind Elektron und Loch aneinander gebunden. Das Energieniveau der Excitone liegt etwas unterhalb des Leitungsbandes. Die Rekombination erfolgt wie oben beschrieben.
  3. Die verwendeten Halbleiter können auch dotiert sein, d.h. sie enthalten Fremdatome innerhalb des Kristallgitters. Nehmen die Fremdatome leichter Elektronen auf als der Halbleiter in reiner Form, so nennt man sie Akzeptoren. Geben sie jedoch leichter Elektronen ab, so bezeichnet man sie als Donatoren. Insgesamt stellen solche Fremdatome Fehlstellen dar.

    a) Ein Elektron aus dem Donatorniveau kann nun mit einem Defektelektron im Valenzband rekombinieren, wobei Energie in Form von Lumineszenzstrahlung ausgesendet wird.

    b) Andererseits kann auch ein Elektron aus dem Leitungsband mit einem Defektelektron, das sich im Akzeptorniveau befindet, rekombinieren, wobei auch wieder Lumineszenzstrahlung zu sehen ist.
  1. Spezielle Fremdatome stellen sogenannte Lumineszenzzentren dar, wie z.B. Eu. Ein Photon, das nach Mechanismus 1 oder 2 frei wird, kann auch ein Fremdatom anregen, anstatt sofort als Lumineszenzstrahlung frei zu werden. Da ein entgegengesetzter Übergang quantenmechanisch verboten ist, erfolgt ein Übergang in ein anderes Niveau. Finden beim Übergang Wechselwirkungen mit der Umgebung statt, so spricht man von Zentrenlumineszenz, ohne Wechselwirkungen von charakteristischer Lumineszenz.

mechanismen

Folie 7: Lumineszenzmechanismen (gif 8k, DIN A4 hoch)

5. Herstellung des Leuchtschirmes

Die Glasschirme werden mit verdünnter Flusssäure (6% H2F2) gewaschen und anschließend mit deionisiertem Wasser gespült. Die so behandelte Glasoberfläche besitzt zwei oberflächenaktive Gruppierungen:
bulletSilanol-Gruppen Si-OH
bulletSiloxan-Gruppen Si-O-Si.

Durch einen photochemischen Prozess wird nun mit ultraviolettem Licht ein präzises Muster für jede der drei Grundfarben erzeugt. Lochmaskenröhre: präzises Muster von getrennten Leuchtstoffpunkten Schlitzmaskenröhre: exaktes Muster von Leuchtstofflinien Dazu wird der Schirm mit einer verdünnten Polyvinylalkohollösung vorbeschichtet (Precoat-Schicht). Diese Schicht haftet aufgrund polarer Wechselwirkungen auf der Glasunterlage und dient der lichtempfindlichen Schicht als Haftvermittler.

Das lichtempfindliche System besteht aus:
bulletPolyvinylalkohol (PVA)
bulletAmmoniumdichromat (NH4)2Cr2O7 (ADC).

Der Leuchtstoff wird in einer wässrigen Lösung von PVA und ADC dispergiert und anschließend wird von dieser Dispersion eine Schicht auf den Glasschirm aufgebracht und getrocknet. Die Schicht wird nun genau an den Stellen belichtet, wo später Leuchtstoffpunkte oder -linien stehen bleiben sollen. Beim Belichten finden photochemische Reaktionen statt, die zur Vernetzung des PVA führen und das System somit unlöslich machen. Als "Negativ" für diese Belichtung dient die Original-Loch- oder Schlitzmaske der späteren Farbbildröhre. Nach der Belichtung wird der Glasschirm mit warmen, deionisiertem Wasser abgespült. Es bleibt nur das gehärtete Punkt- oder Linienraster stehen. Die gesamte Prozedur (Beschichten, Belichten, Abspülen) muss für jeden der drei Leuchtstoffe getrennt durchgeführt werden.

6. Literatur

bulletE. Scharrer, L. Grimm, K.-L. Hilke, Über den Leuchtschirm der Farbbildröhre, ChIUZ, 1975, 9, S. 163 - 172.
bulletM. Bredol, U. Kynast, C. Ronda, Leuchtstoffe für Kathodenstrahlröhren, ChIUZ, 1994, 28, S. 36 - 43.
bulletE. Riedel, Anorganische Chemie, Walter de Gruyter Verlag, Berlin, 1990.
bulletRömpp, Chemie-Lexikon, Stuttgart, 1997.

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