Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth Stand: 03.02.05 |
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Vortrag von Daniela Degenkolb im Rahmen der "Übungen im Vortragen mit Demonstrationen - OC", WS 2000/2001
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Gliederung:
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5. Einteilung der Klebstoff nach Art des Abbindens 6. Herstellung eines natürlichen Klebstoffs |
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Einstieg: Kaugummi an der Schuhsohle und Jacke mit Hilfe eines "power strips"-Hakens an der Tafel aufhängen. Kaugummi ist auch eine Art von Klebstoff, der mit der Zeit aushärtet. Die Grundfrage ist, wieso Kaugummi und andere Substanzen kleben und worin die Unterschiede im Klebvermögen begründet sind. Anhand von Kaugummi erkennt man, welche Bedingungen ein Klebstoff erfüllen muss:
| er muss an fremden Oberflächen kleben bleiben | |
| der Kaugummi besteht nicht nur aus einer Monomolekularen Schicht und muss deshalb auch in sich kleben. |
Die Fachbegriffe hierfür lauten Adhäsion für die Haftung an dem Werkstoff und Kohäsion für die Haftung in sich.

Folie 1: Adhäsions- und Kohäsionskräfte
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Dies sind Anziehungskräfte mit geringer Reichweite (1µm), die immer an Grenzflächen von festen Stoffe auftreten. Sie treten aber meist nicht sichtbar in Erscheinung (wenn man zwei Holzstücke aneinander hält, wirken keine spürbaren Kräfte), da die meisten Oberflächen so uneben sind, so dass der Abstand der Moleküle, der zum Ausbilden dieser Kräfte nötig wäre zu groß ist (Deshalb haften zwei Holzstücke nicht aneinander).
Man unterscheidet:
| Mechanische Adhäsion | Spezifische Adhäsion |
| mechanische Verankerung des Klebstoffs in
Oberflächenporen vergleichbar einem Puzzle schwache Kräfte |
Zwischenmolekulare oder chemische
Bindungskräfte (Van-der-Waals-Kräfte, Dipol-Dipol-Wechselwirkungen usw.). |

Folie 2: Adhäsions- und Kohäsionskräfte beim Kleben
Die Adhäsionskräfte sind zwischen Klebstoff und Werkstoffoberfläche wirksam. Damit die Kräfte auch wirksam werden können, muss sich der Klebstoff der Oberflächen anpassen können, um den Abstand zwischen Klebstoff- und Werkstoffoberfläche gering zu halten.
Voraussetzungen für Klebstoffe:
Die Qualität einer Verklebung hängt somit nicht nur von der Qualität des Klebstoffs ab, sondern v.a. auch von der Oberflächenbeschaffenheit der zu verklebenden Materialien. Da man aber keine monomolekulare Klebstoffschicht auftragen kann, muss der Klebstoff noch eine innere Festigkeit besitzen, die sogenannten Kohäsioskräfte.
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Das sind Zwischenmolekulare Kräfte, die innerhalb des Klebstoffs wirken und ihm die innere Festigkeit verleihen. Diese Kräfte werden beeinflusst durch:
Diese Kräfte können sich optimal ausbilden, wenn der Klebstoff dünn und gleichmäßig aufgetragen wird. Da sowohl Adhäsions- als auch Kohäsionskräfte erst während des Klebens ausgebildet werden, kann die Festigkeit der Klebung beeinflusst werden durch Werkstoffoberflächenbehandlung, Art der Klebstoffauftragung, Aushärtetemperatur, Aushärtezeit. Bei guten Klebstoffen sind die Kohäsionskräfte mindesten so groß wie die Adhäsionskräfte. Wenn sich im Laufe der Zeit die Adhäsionskräfte lösen, spricht man von einem Adhäsionsbruch, der Klebstoff löst sich von der Werkstoffoberfläche ab.
Definition
eines Klebstoffs (DIN-NORM 16920) |
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Herstellung einer festen Verbindung zweier Teile durch einen synthetischen Werkstoff (Klebstoff), der durch physikalisches Abbinden oder chemische Reaktion verfestigt wird (Aushärten) und die Teile infolge der Oberflächenhaftung (Adhäsion) sowie der zwischenmolekularen Kräfte (Kohäsion) miteinander verbindet.
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| Grundstoff / eigentlicher Klebstoff | Lösungs- oder Dispersionsmittel | Zusatzstoffe |
| natürliche und synthetisch Polymere | schnellverdunstende organische Lösungsmittel | |
| Makromoleküle haben gute Klebeigenschaften wegen guter Adhäsion und Kohäsion. | Einteilung der Klebstoffe: Lösungsmittelhaltige
Klebstoffe: Alkohol, Aceton, Benzin; Schnelle Anhaftung Lösungsmittelfreie Klebstoffe: Wasser; Langsame Anhaftung, da Wasser langsamer verdunstet als andere Lösungsmittel. Nachteil: Papierwellung; Vorteil: bei gleicher Klebekraft umweltschonender |
Funktion: Farbgebung, Alterungsschutz, Konservierungsmittel (v.a. bei natürlichen Klebstoffen wie Stärkeklebstoff ), Entschäumungsmittel |
Tab. 1: Aufbau von Klebstoffen, nach [3]

Folie 3: Natürliche und synthetische Klebstoffpolymere
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Einteilung nach der Art des Abbindens, d.h. durch welche Reaktion der Klebstoff hart wird.
| Physikalisch abbindenden Klebstoffe | Chemisch abbindenden
Klebstoffe Reaktionsklebstoffe |
| Das Polymer liegt schon vor der Anwendung vor. | Erst bei der Anwendung des Klebstoffs wird durch chemische Reaktionen das Polymer hergestellt. Die niedermolekulare, reaktionsfähigen Stoffe gehen in hochmolekulare Polymere über. |
| a) Nassklebstoffe | e) Einkomponentenklebstoffe |
| b) Kontaktklebstoffe | f) Zweikomponentenklebstoffe |
| c) Schmelzklebstoffe | |
| d) Haftklebstoffe |
a) Nassklebstoffe
Sie enthalten Lösungs- oder Dispersionmittel. Der Klebstoff wird auf eine
Werkstückoberfläche aufgetragen, das andere Werkstück wird in das Klebstoffbett gelegt.
Wenn das Lösungsmittel verdunstet ist, hat der Klebstoff abgebunden. Nachteile: Es
können nur kleine Oberflächen verklebt werden, oder die Werkstücke müssen
lösungsmitteldurchlässig sein, da sonst die Aushärtung sehr lange dauert.
Bsp.: Klebstifte, Alleskleber extra, Holzkleber.
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b) Kontaktklebstoffe
Der Klebstoff wird auf beide Werkstoffoberflächen gegeben und getrocknet, danach fügt
man die beiden Oberflächen mit Druck zusammen. Prinzip der Autoahhäsion: Die
Klebung erfolgt durch die gegenseitige Diffusion der Polymere in die jeweils andere
Werkstückoberfläche hinein. Die Eindringteife in die Klebschicht kann so groß werden,
dass beim Zerreißen einer auf Diffusion beruhenden Verklebung die Moleküle nicht mehr
aus der Klebschicht herausgezogen werden, sondern ihre Ketten zerreißen.
Bsp. Polyurethane, UHU Alleskleber Kraft, Flicken von Fahrradschläuchen, selbstklebende
Briefumschläge.
c) Schmelzklebstoffe
Vorteil: Lösungsmittelfrei und fest. Nachteile: Nicht für wärmeempfindliche Sachen
geeignet
Bsp.: Heissklebepistole.
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| Heissklebepistole | Haftklebstoff |
d) Haftklebstoffe
Dauerklebrige Substanzen, die schon nach leichtem Andruck haften
Bsp.: Klebefolien, Aufkleber, Klebehacken UHU fix & film, Tesafilm, Haftnotizen.
e) Einkomponentenklebstoff
Die 2. Reaktionskomponente, die das Abbinden des Klebstoffs einleitet ist z.B. die Luftfeuchtigkeit beim Sekundenkleber oder das UV Licht beim Zahnarztklebstoffen.

Folie 4: Reaktionen beim Sekundenkleber: anionische Polymerisation
f) Zweikomponentenklebstoff
Zwei Reaktionskomponenten werden in einem bestimmten Verhältnis gemischt, oft dient
als zweite Komponente ein Härter der für die 3 dim Vernetzung des linearen Polymers der
ersten Komponente führt.
Bsp.: Fibrinogen / Thrombin Zweikomponentenklebstoff in der Medizin Fibrinogen und
Thrombin werden mit Hilfe einer Doppelspritze auf die Wunde gegeben und bilden dort
Fibrin. Nach 24 Std. wird dies fest, bleibt aber elastisch und wird deshalb hauptsächlich
bei Organbluten eingesetzt.
| Es gibt keine Alleskleber, sondern man muss immer den geeigneten Klebstoff für das jeweilige Werkstück auswählen. |
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Stärkekleber: 10 g Maisstärke (z.B. Remiga Speisestärke, Aldi) werden in 10 ml kaltem Wasser gelöst und dann in 110 ml siedendem Wasser gegeben. Unter Rühren lösen und abkühlen lassen. Dieser selbst hergestellte Klebstoff kann als Papierklebstoff eingesetzt werden.
Gelatinekleber: Gelatine in kaltes Wasser einlegen, das Wasser dann abgießen und die Gelatine erhitzen bis sie flüssig wird. In diesem Zustand kann man sie als Klebstoff verwenden.
Nachteile dieser natürlichen Klebstoffe sind die langen Aushärtzeiten und die Anfälligkeit gegenüber Pilzen usw.
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| Polymerisation (Verknüpfung von Monomeren mit Hilfe von reaktiven Doppelbindungen, radikalisch, m.H. von Anionen / Kationen) | |
| Polyaddition ( Addition von zwei unterschiedlich polyfunktionellen Monomeren) | |
| Polykondensation ( Verknüpfung von polyfunktionellen Verbindungen unter Abspaltung von einer niedermolekularen Substanz wie Wasser, Alkohol) |
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| Kleben verbindet die unterschiedlichsten Materialien miteinander | |
| Klebungen ersetzen Bohrungen und die dadurch entstehenden Schäden | |
| Kleben verhindert Flüssigkeitsansammlungen zwischen den Fügeteilen und verhindert so die Korrosion |
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| Medizin (Zahnarzt, Knochenkleben) | |
| Buchbinden | |
| Büro/Haushalt (Pro Kopf verbrauch 6 kg /Jahr) | |
| Automobilindustrie |
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E-Mail: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de
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